Pädiatrie

Mittel gegen ADHS wirkt über 24 Stunden

HAMBURG (nke). Atomoxetin ist eine wichtige Alternative in der medikamentösen Therapie von Kindern und Jugendlichen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Der Vorteil dieser Substanz ist die kontinuierliche Wirkung.

Veröffentlicht: 27.03.2006, 08:00 Uhr

Die ADHS-Symptome können durch den selektiven Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer über den ganzen Tag reduziert werden. Sogar noch am Morgen nach der Einnahme ist im Vergleich zu Placebo eine Wirkung vorhanden, wie Dr. Andrea Caby bei einer Pressekonferenz des Unternehmens Lilly in Hamburg berichtet hat.

Diese Beobachtung hat sich in ihrer seit zwei Jahren dauernden Studie bestätigt, wie die Wissenschaftlerin vom Marienkrankenhaus Papenburg-Aschendorf sagte.

Caby hat Daten von 60 Kindern mit ADHS im Alter von sechs bis 18 Jahren gesammelt, die durchschnittlich 228 Tage lang mit Atomoxetin (Strattera®) behandelt wurden. Nach Angaben der Kinder- und Jugendärztin verlief die Behandlung bei mehr als zwei Dritteln der Kinder erfolgreich.

Mit Atomoxetin gibt es nach dem Aufstehen weniger Streß

Die Eltern berichteten zum Beispiel, daß es beim Aufstehen weniger Streß gebe, daß sich die Kinder in der Schule weniger auffällig verhielten, tagsüber weniger ‚Zündstoff‘ lieferten und besser schliefen. "Verglichen mit Psychostimulantien tritt die Wirkung langsamer ein", so Caby. Bis sich der Effekt voll entfaltet, dauert es etwa acht bis zwölf Wochen. So viel Geduld müßten Eltern und Kinder zu Beginn der Therapie mitbringen.

Die Behandlung sollte so lange wie nötig dauern, jedoch mindestens ein Jahr. Einen Auslaßversuch rät Caby in die Schulferien zu legen. "Entscheidend ist", so die Kinder- und Jugendärztin, "die Zeit der Therapie für begleitende Maßnahmen zu nutzen, zum Beispiel Konzentrationstraining oder Ergotherapie."

Denn diese Verfahren seien oft erst während einer Medikation erfolgreich. Caby: "Nicht jedes Kind braucht Arzneimittel. Aber wenn ein Kind einen langen Leidensweg hinter sich hat, andere Maßnahmen versucht wurden und Ausgrenzung droht, dann heißt es rasch handeln." Allerdings sollte vor der Einstellung auf ein Medikament grundsätzlich ein Facharzt einen ADHS-Verdacht abklären.

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