Hamburg

Modellprojekt für Versorgung von Demenzpatienten überzeugt

Die Robert Bosch Stiftung hat Modellprojekte gefördert, die von zwei Krankenhäusern in Hamburg erprobt wurden. Das Ergebnis: Zwei konkrete Dinge verbessern die Betreuung von Demernpatienten.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Zwei Krankenhäuser aus Hamburg ziehen ein positives Fazit ihrer Modellprojekte zur Versorgung von Demenzpatienten.

Zwei Krankenhäuser aus Hamburg ziehen ein positives Fazit ihrer Modellprojekte zur Versorgung von Demenzpatienten.

© Patrick Pleul / dpa

HAMBURG. Krankenhäuser können sich auf die Betreuung von Patienten mit Demenz einstellen und selbst davon profitieren. Wie das gelingen kann, erproben Kliniken in einem von der Robert Bosch Stiftung geförderten Modellprojekt. Zwei Krankenhäuser aus Hamburg haben nun ein positives Fazit gezogen.

"Es hilft den Patienten und entlastet die Klinik und die Mitarbeiter", sagte der Geschäftsführer des Albertinen-Krankenhauses, Ralf Zastrau, bei der Vorstellung der Ergebnisse über das Engagement seines Hauses. Zweites am Modellprojekt beteiligtes Haus ist das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf, das von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf getragen wird.

Dessen Vorstand Ulrich Scheibel sieht das Projekt als gelungen an, weil unter anderem die Strukturen im Haus den Menschen angepasst werden konnten. Konkret nannte er die Abläufe auf den Stationen: Es wurde zum Beispiel erreicht, dass Untersuchungen stattfanden, als Patienten mit Demenz dazu auch in der Lage waren.

Wenn die Patienten nicht in die entsprechenden Räume zu den erforderlichen Geräten gelangen konnten, wurden die Geräte zu ihnen transportiert.

Angehörige werden eingebunden

Als entscheidend für den Erfolg werten die Verantwortlichen im Albertinen die Schulung ihrer Mitarbeiter aus allen Berufsgruppen, damit diese sicherer im Umgang mit Menschen mit Demenz werden konnten. Rund 200 der 800 Albertinen-Mitarbeiter nahmen an Tagesschulungen teil. 27 besuchten zehntägige Schulungen und traten im Haus als Multiplikatoren auf.

Weiterer wichtiger Punkt: Die Angehörigen werden im Albertinen stark eingebunden. Ziel ist es, ihre Bedürfnisse und Ressourcen zu erkennen, sie besser zu informieren, die Kommunikation mit den Klinikmitarbeitern zu intensivieren, damit den Behandlungserfolg zu verbessern und zugleich unnötige Belastungen zu vermeiden.

Für die Information der Angehörigen wurde ein Film gedreht, ehrenamtliche Demenzbegleiter eingesetzt und ein Koordinierungsbüro im Krankenhaus eingerichtet.

Keine Entscheidung über den Kopf der Patienten hinweg

Auch in Alsterdorf gab es Mitarbeiterschulungen, außerdem erleichtert ein spezielles Raumkonzept den Patienten die Orientierung. Besonderer Schwerpunkt war die Wahrung der Patientenautonomie bei Menschen mit Demenz. Hierzu entwickelte das Haus einen Handlungsleitfaden mit theoretischer Grundlage und praktischen Tipps, wie der Wille von dementen Patienten erkannt werden kann.

"Menschen mit Demenz sind es gewohnt, dass über ihren Kopf hinweg entschieden wird. Da wollen wir nicht mitmachen", steht für Chefarzt Dr. Georg Poppele fest.

Beide Krankenhäuser zeichnet aus, dass sie sich schon vor Aufnahme in das Förderprogramm um Verbesserungen für Menschen mit Demenz bemüht haben. Bundesweit hat die Robert Bosch Stiftung in zwei Runden bislang zehn Krankenhäuser mit bis zu 100.000 Euro für das Projekt "Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus" gefördert.

Die beiden Hamburger Häuser waren in der ersten, 2013 gestarteten Projektrunde dabei. Bei einer zweiten, 2015 gestarteten Förderung mit sieben weiteren Kliniken ist aus Hamburg auch das Marienkrankenhaus dabei, das sich speziell dem Rettungsdienst widmen wird. Dr. Bernadette Klapper, Bereichsleiterin Gesundheit bei der Stiftung, kündigte in Hamburg eine dritte Förderrunde an.

Senatorin würdigt Engagement

Dass ausgerechnet in der vergleichsweise jungen Stadt Hamburg die Kliniken so viel Engagement im Umgang mit dementen Patienten zeigen, freut auch Sozialsenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). In der Hansestadt laufen deshalb acht Projekte in verschiedenen Lebenswelten.

Nach ihren Angaben leben in Hamburg 90.000 Menschen, die älter als 80 Jahre sind. Den beiden Kliniken bescheinigte sie zwar, "an der Spitze der Bewegung" zu marschieren. Fortschritte beim Umgang mit dementen Patienten sieht sie aber auch in vielen anderen Kliniken.

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