Skelett- & Weichteilkrankheiten

Nerven-Sono hilft bei Differenzialdiagnose

Innere Medizin, Gynäkologie, Chirurgie, Urologie: Der Ultraschall ist aus vielen Disziplinen nicht wegzudenken. Weniger weit verbreitet ist bisher die neurologische Ultraschalldiagnostik bei Erkrankungen der peripheren Nerven.

Von Philipp Grätzel von GrätzPhilipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:

Kein Karpaltunnelsyndrom, sondern ein Tumor komprimiert den Nerven.

HAMBURG. Die Sono in der Neurologie ist zu unrecht weniger verbreitet, betont Dr. Henrich Kele aus Hamburg. Kele ist niedergelassener Neurologe und Seminarleiter für Muskel- und Nervensonografie bei der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM). Bei einer Vorabveranstaltung der Medizinmesse Medica 2009 zeigte er am Beispiel des Karpaltunnelsyndroms, warum der Nervenultraschall nicht nur schöne Bilder liefert, sondern ganz wesentlich sein kann für die Festlegung auf eine optimale Therapie.

Beim Karpaltunnelsyndrom schlafen den Betroffenen nachts die Hände ein. Das Syndrom kann außerdem mit Schmerzen im Bereich des Handgelenks einhergehen, die bei bestimmten Tätigkeiten besonders hervortreten. Typisch ist etwa eine Zunahme der Probleme bei Patienten, die gerade ihr Haus renovieren. Fortgeschritten kann es zu sensiblen und motorischen Ausfällen kommen. Nicht immer sind sie reversibel.

Nach gängiger Lehrmeinung entsteht die Symptomatik beim Karpaltunnelsyndrom durch eine mechanische Kompression des Nervus medianus im Bereich des Karpaltunnels. Therapie der Wahl ist daher die operative Erweiterung der Engstelle. Bei vielen Menschen verschafft der Eingriff Linderung. Nicht wenige müssen aber wiederholt operiert werden, weil die Probleme bestehen bleiben.

Die Sonografie macht es deutlich: Hier drückt ein Ganglion auf den Nerv.

"Entscheidend ist, dass nicht jedes Karpaltunnelsyndrom gleich ist", betont Kele. Und hier komme der Ultraschall ins Spiel. Er erlaube es, genauer als alle anderen diagnostischen Maßnahmen, die Ursache der Nervenkompression zu identifizieren.

Als Beispiel für eine besondere Variante des Karpaltunnelsyndroms nannte Kele atypisch lokalisierte Muskeln innerhalb des Karpaltunnels. Sie können zu erheblichen Beschwerden führen, ohne dass der Karpaltunnel im eigentlichen Sinne zu eng wäre. Die Standardoperation hilft diesen Patienten nicht weiter. Wenn der Chirurg aber von dem atypischen Muskel weiß, kann er das bei der Op berücksichtigen.

Auch thrombosierte Gefäße im Bereich des Unterarms können den Nerv einklemmen und Beschwerden nach Art eines Karpaltunnelsyndroms machen. Im Ultraschall ist das dank Doppler-Funktion problemlos zu erkennen.

Die vielleicht wichtigste Differenzialdiagnose sind freilich Nerventumoren. Sie können nicht nur im Unterarm, sondern auch im weiteren Verlauf des Nervs vorkommen. "Eine Untersuchung der weiter proximal gelegenen Nervenabschnitte gehört deswegen immer dazu", so Kele. Häufiger als Tumoren sind Ganglien, die den Nervus medianus oder auch den Nervus ulnaris komprimieren. Sie lassen sich operativ entfernen, sofern der Chirurg von ihnen weiß.

Kele stellte in Hamburg einen Patienten vor, der Schmerzen der Hand hatte und kurz darauf Lähmungserscheinungen beobachtet. In insgesamt drei Kernspin-Untersuchungen konnte keine definitive Ursache gefunden werden. "Erst der Ultraschall fand die flüssigkeitsgefüllte Zyste in der Hohlhand, die dann zügig entfernt werden konnte", so Kele.

Ein weiterer Patient war bereits zweimal erfolglos am Karpaltunnel operiert worden. Eine dritte Op stand an. Glücklicherweise wurde vorher doch noch ein Ultraschall angefordert. Und der zeigte einen im Querschnitt blumenkohlartigen Nerv mit einem "Weihnachtsleuchten", diffuse Doppler-Signale, die auf eine Vaskularisierung hindeuten. "Dieser Patient hatte eine Entzündung des Nerven und hätte nie eine Operation gebraucht", so Kele.

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