Direkt zum Inhaltsbereich

Neue Erreger von Atemwegsinfekten werden oft überschätzt

NÜRNBERG (sko). Neue Krankheitserreger wie das Sars-Coronavirus sorgen für viel Wirbel und Diskussion. Sie haben aber meist keine klinische Relevanz. Nicht unterschätzen darf man hingegen schon länger bekannte Erreger wie Bordetella pertussis. Derzeit sorgt der Keim für hohe Erkrankungszahlen.

Veröffentlicht:

Immer wieder werden bei Atemwegsinfektionen neue Krankheitserreger vermutet, sagt Privatdozent Thorsten T. Bauer vom Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin. Er verdeutlichte dies an dem Beispiel einer jungen Frau, die mit einer schweren ambulant erworbenen Pneumonie in seiner Klinik kam und nicht auf eine Therapie mit Antibiotika ansprach.

"Wäre diese Frau im Jahr 2001 in unserer Klinik behandelt worden, hätten wir gedacht: Ein Fall von Metapneumovirus", sagte Bauer bei einer Veranstaltung in Nürnberg. Allerdings wäre die Diagnose trotz der großen Aufmerksamkeit für diesen erst 2001 entdeckten Erreger ziemlich unwahrscheinlich gewesen.

Bei Patienten mit der Exazerbation einer COPD war zum Beispiel der Nachweis von Metapneumoviren nur bei 2,3 Prozent positiv. Zudem verursacht das Virus bei nicht immunsupprimierten Patienten eigentlich nur eine leichte Erkrankung.

"Wäre die Patientin 2003 in die Klinik eingeliefert worden, wäre es darum gegangen, eine Sars-Infektion auszuschließen", sagte Bauer weiter. Da es aber in Deutschland nur zehn Sars-Infektionen gegeben hat, habe auch diese Erkrankung keine klinische Relevanz. "Im Jahr 2006 würden solche Infektionen nun schnell mit der Influenza in Zusammenhang gebracht", so Bauer weiter.

Auch wenn diese Erkrankung jährlich tausende Todesopfer forderte und ernstgenommen werden müsse, sei die derzeit herrschende Hysterie angesichts der Vogelgrippe nicht gerechtfertigt. Lediglich auf die Impfraten in der Bevölkerung hätte die Diskussion um die Vogelgrippe eine positive Auswirkung gehabt, sagte der Pneumologe.

Die meisten neuen Erreger haben für den klinischen Alltag keine große Bedeutung. Bauer verdeutlichte dies erneut an dem Beispiel der jungen Frau: Die Ursache ihrer schweren Pneumonie war eine Infektion mit dem Varizella-zoster-Virus - einem bekannten Erreger.

Als ein weiteres Beispiel für bekannte Erreger, "die wieder unserer Aufmerksamkeit bedürfen", nannte Bauer den Erreger des Keuchhustens. So gebe es jährlich weltweit 51 Millionen Erkrankungen, davon 100 000 in Deutschland. Der Anstieg der Prävalenz ist wahrscheinlich dadurch begründet, daß Kinder geimpft werden, der Impfschutz bei Erwachsenen aber nicht aufgefrischt wird.

Mehr zum Thema

Impflücken

So lassen sich Impfquoten steigern

Respiratorische Viren

So gut wirkt der Impfschutz gegen COVID-19, Influenza und RSV

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

© piyato | iStock

Vaginalmykose im Fokus

Vaginalmykosen neu denken: Pathogenese, Zyklus und Therapie

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

© iStock / okskukuruza

Vaginale Gesundheit

Intimhygiene: Was die vaginale Schleimhaut wirklich braucht

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Fünf Säulen der Behandlung

COPD: Das empfiehlt die aktualisierte Leitlinie

Lesetipps
Eine ältere Dame erhält eine Impfung in den Oberarm.

© Anchiy / Getty Images / iStock

Übersicht

Impfungen gegen Atemwegserreger: Das sind die aktuellen Empfehlungen

Euro Geldscheine mit Münzen und Stethosko

© PhotographyByMK / stock.adobe.com

Update

Honorarverhandlungen: Haus- und Fachärzte reagieren sauer

Ärzte und Krankenkassen einigen sich auf das Honorar 2027