Suchtkrankheiten

Neue Tablette zur Rauchentwöhnung auf Grünem Rezept

FRANKFURT/MAIN (cin). Eine neue Pille zur Rauchentwöhnung ist ab dem 1. März in deutschen Apotheken erhältlich. Kollegen können Patienten, die in Zukunft die Finger vom Glimmstängel lassen wollen, das Lifestyle-Medikament auf dem Grünen Rezept verschreiben. Die Tagestherapiekosten liegen für die Betroffenen etwa in Höhe einer Zigarettenschachtel.

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Das neue Medikament Vareniclin (Champix®) ist ein partieller Nikotin-Acetylcholin-Rezeptor-Agonist, der mit hoher Selektivität an den α4β2-Subtyp des Rezeptors im Gehirn bindet. Die Substanz mindert die typischen Entzugserscheinungen von Rauchern und schwächt als gleichzeitiger Antagonist die Belohnungseffekte des Nikotins. Das verschreibungspflichtige Präparat gehört zur Gruppe der Lifestyle-Medikamente. Patienten müssen die Kosten selbst übernehmen. Um die Erfolg der Tabakentwöhnung zu erhöhen, bietet das Unternehmen Pfizer zudem ein Computerprogramm zur Unterstützung der Entwöhnung an. Mit dem Kauf von Vareniclin erhalten Patienten eine Registriernummer, mit der sie sich online für ein Begleitprogramm anmelden können.

Die Wirksamkeit des neuen Medikamentes konnte in drei doppelblinden Studien belegt werden. Insgesamt etwa 4000 langjährige Raucher (mehr als zehn Zigaretten pro Tag) mit der Motivation, den Tabakkonsum einzustellen, erhielten entweder zweimal täglich Vareniclin (je 1 mg), Placebo oder in zwei der Studien das bereits für die Tabakentwöhnung zugelassene Bupropion (zweimal täglich 150 mg) über zwölf Wochen (wir berichteten). Am Ende der Behandlungsphase waren in einer der dreiarmigen Studien 44 Prozent (signifikant im Vergleich zu Placebo) der Patienten, die Vareniclin einnahmen rauchfrei, sagte der Mannheimer Pharmakologe und Kardiologe Professor Martin Wehling auf einer Veranstaltung in Frankfurt/Main. Die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Ausstieg lag mit Bupropion-Therapie bei 30 Prozent und mit Placebo bei 18 Prozent. In den Wochen neun bis 24 lagen die Werte bei 30 für Vareniclin, 20 Prozent für Bupropion und 13 für Placebo. In der 52. Woche waren noch 23 Prozent der Patienten mit Vareniclin, 15 Prozent mit Bupropion und 10 Prozent mit Placebo Nichtraucher. "Die Ergebnisse der Studien unterscheiden sich kaum", so Wehling. Etwa einem Drittel der Menschen, die Vareniclin erhalten hatten, sei zu Beginn der Therapie übel gewesen, jedoch hätten nur zwei Prozent die Studie deswegen abgebrochen. "Um die Übelkeit zu reduzieren, sollte die Dosis langsam gesteigert werden", so der Facharzt. Kollegen sollten ihren Patienten in den ersten drei Tagen je 0,5 mg, für vier weitere Tage zweimal 0,5 mg und nach sieben Tagen die volle Dosis (zweimal 1 mg) verordnen.



STICHWORT

Epidemiologie

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gibt es in Deutschland 19 Millionen Raucher. Etwa acht Millionen wollen das Laster aufgeben. Nur 500 000 Menschen gelingt es diesen Vorsatz dauerhaft in die Tat umzusetzen. Dabei verkürzen langjährige Raucher ihre Lebenserwartung um etwa zehn Jahre, erinnerte Professor Stefan Andreas von der Fachklinik für Lungenkranke in Immenhausen. "Jugendliche, die schon als 15-jährige mit dem Rauchen begonnen haben, sterben sogar 23 Jahre früher." Eine weitere traurige Nachricht sei, dass mehr COPDler als Nicht-COPDler rauchen würden. "Da haben wir Ärzte bisher versagt", so der Lungenspezialist. Dabei könne ein Rauchstopp in jedem Alter und bei fast jeder Erkrankung die Lebensqualität und -erwartung erhöhen. (cin)

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