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Chordome

Neuer Ansatz gegen seltenen Knochenkrebs

Veröffentlicht:

HEIDELBERG. Forscher aus Heidelberg haben mittels Genanalyse ein besonderes genetisches Merkmal von Chordomen im fortgeschrittenen Stadium aufgedeckt (Nat Commun 2019; online 9. April).

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Gruppe von bereits zugelassenen Arzneistoffen auch gegen Chordome wirksam sein könnte, teilt das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg mit.

Das Team untersuchte elf Chordom-Patienten im fortgeschrittenen Stadium, bei denen die Standardtherapien ausgeschöpft waren. Die Wissenschaftler sequenzierten das Erbgut der Krebszellen vollständig und entdeckten, dass fortgeschrittene Chordome bestimmte molekulare Veränderungen aufweisen, die mit einer gestörten DNA-Reparatur durch die so genannte homologe Rekombination (HR) verbunden sind.

Im Allgemeinen verwenden Zellen die HR, um schadhafte Stellen der DNA-Stränge zu reparieren. Es ist bekannt, dass auch bei anderen Krebszellarten die HR beeinträchtigt ist.

Die Diagnose dieser fehlerhaften Funktion erfordert bestimmte Voraussetzungen. „Allerdings trafen nur bei drei der elf untersuchten Patienten diese klassischen Kriterien zu“, wird Privatdozent Dr. Stefan Gröschel, einer der Studienautoren, in der NCT-Mitteilung zitiert. „Bei Chordomen scheinen also offenbar weitere, noch unbekannte genetische Veränderungen zu einer Beeinträchtigung der HR zu führen.“

Da sich bei anderen Krebsarten, bei denen ebenfalls ein HR-Defizit vorliegt, bestimmte Arzneistoffe als wirksam erwiesen haben, lag es nahe, diese auch bei Chordom-Patienten als Behandlungsoption einzusetzen.

Experimente mit PARP-Inhibitor

Die Ärzte führten bei einem Betroffenen mit passendem genetischem Profil eine experimentelle Behandlung mit einem PARP-Inhibitor durch.

PARP-Inhibitoren hemmen das Enzym Poly-ADP-Ribose-Polymerase und verhindern dadurch, dass Krebszellen Schäden an ihrer DNA, die etwa in Folge einer Chemotherapie auftreten, wieder reparieren können.

Bei dem Patienten führte die Therapie mit dem PARP-Inhibitor zur langanhaltenden klinischen Verbesserung und einem Stillstand des Tumorwachstums, so das NCT. Nach erneutem Fortschreiten der Erkrankung bei demselben Patienten konnte das Team eine neuartige Resistenzmutation des PARP1-Enzyms identifizieren, welche die Wirkung des PARP-Inhibitors aufhob.

„Unsere Ergebnisse zeigen, wie die Suche nach neuen personalisierten Krebstherapien im klinischen Alltag funktionieren kann. Durch den Einsatz eines zugelassenen Medikaments, das bisher bei Chordomen noch nicht angewendet wurde, konnten wir für einen Patienten über einen Zeitraum von zehn Monaten eine verbesserte Erkrankungssituation erreichen. Und auch wenn die Erkrankung danach erneut fortgeschritten ist, hoffen wir, dass uns der neu entdeckte Resistenzmechanismus zukünftig helfen wird, Therapien besser zu planen und früher auf Veränderungen in der Wirksamkeit der Medikamente reagieren zu können“, berichtet Professor Stefan Fröhling, einer der Autoren. (eb)

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