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Erfahrungsberichte

Online-Portal: Geschichten über sexuellen Missbrauch in der Kindheit

Wie Betroffene sexuelle Übergriffe erlebt haben, können Interessierte auf einer neuen Website nachlesen. 100 Geschichten sind bereits publiziert.

Kathrin HandschuhVon Kathrin Handschuh Veröffentlicht:
Sexueller Missbrauch in der Familie ist kein Einzelfall. Ein neues Portal will Betroffenen eine würdevolle Plattform bieten, wo sie über ihr Schicksal berichten können. 100 Geschichten sind mittlerweile veröffentlicht.

Sexueller Missbrauch in der Familie ist kein Einzelfall. Ein neues Portal will Betroffenen eine würdevolle Plattform bieten, wo sie über ihr Schicksal berichten können. 100 Geschichten sind mittlerweile veröffentlicht.

© Gerhard Seybert / stock.adobe.com

Berlin. Wie haben Patienten sexuellen Missbrauch in der Kindheit erlebt? Dieser Frage möchte die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs mit dem neuen Online-Internetportal www.geschichten-die-zählen.de auf den Grund gehen. 100 Betroffene berichten dort in über ihr Schicksal. „Es ist in diesem Umfang ein in Deutschland bisher einzigartiges Projekt. Die Betroffenen legen ein vielfältiges Zeugnis ab über das erlebte Unrecht und Leid, aber auch über Hilfe in der Kindheit, über die Folgen des Missbrauchs, aber auch über Kraft, Mut und Wege, das Geschehene zu bewältigen“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung der Kommission.

Dabei berichten die Männer und Frauen unter einem Pseudonym von Missbrauch in der Familie, im sozialen Umfeld, im Sportverein, in der Schule, in der Kirche, im Heim oder auch in organisierten Strukturen. Das Portal soll als Gedächtnisort einen bedeutenden Beitrag für die gesellschaftliche Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs leisten. Mit ihren Geschichten wollen die Betroffenen die Gesellschaft für die Folgen sexueller Gewalt sensibilisieren. Ziel sei es auch, die Stigmatisierung betroffener Menschen zu beenden, die häufig auf den Status eines Opfers reduziert würden, so die Kommission.

3000 Betroffene haben sich gemeldet

„Jede einzelne dieser Geschichten ist wichtig und zählt“, betont Brigitte Tilmann, Mitglied der Kommission: „Mit dem Portal wollen wir einen würdigen Ort schaffen für die vielfältigen Erfahrungen. Unsere Pflicht als Gesellschaft ist es, dieses Wissen auch für einen besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen zu nutzen.“

Kommissionsmitglied Matthias Katsch ergänzt: „Nicht jeder betroffene Mensch kann oder will über die sexuelle Gewalt in der Kindheit oder Jugend sprechen oder schreiben. Sie haben auch das Recht, darüber zu schweigen. Die biografischen Berichte und Erfahrungen auf dem Portal stehen daher stellvertretend für die vielen nicht erzählten Geschichten.“ Bis dato haben sich rund 3000 Betroffene und Zeitzeugen bei der Kommission gemeldet und von ihren Erfahrungen berichtet. Die Leser können die Texte auf der Website sowohl nach Kontext und dem Zeitraum, in dem der Missbrauch stattfand, als auch nach Geschlecht der Betroffenen auswählen. Das Portal wird fortlaufend um neue Geschichten ergänzt.

Die Website ist unter www.geschichten-die-zählen.de erreichbar.

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