Direkt zum Inhaltsbereich

Option gegen systemische Mykosen

LEIPZIG (kas). Patienten mit Neutropenie sowie andere Patienten mit hoher Infektionsgefährdung in der Klinik haben ein hohes Risiko für eine invasive Pilzinfektion. Bekommen solche Patienten unklares Fieber und sprechen sie binnen drei Tagen nicht auf Breitspektrum-Antibiotika an, dann sollte unverzüglich eine empirische Therapie mit Antimykotika erwogen werden.

Veröffentlicht:

Ein hohes Risiko für invasive Mykosen haben vor allem Patienten mit hämato-onkologischen Erkrankungen etwa bei akuter Leukämie, nach myelotoxischer Chemotherapie oder nach allogener Stammzelltransplantation. Anfällig sind zudem Patienten auf der Intensivstation mit obstruktiver Lungenerkrankung, die mit Steroiden behandelt werden, außerdem intensivmedizinisch betreute Patienten mit Diabetes, Leberzirrhose oder Patienten nach Organtransplantation sowie Patienten mit abdomineller Sepsis nach komplizierten viszeralchirurgischen Eingriffen.

Für Erreger-Nachweis vor der Therapie bleibt oft keine Zeit

Da die Erfolgs- und Überlebens-Chancen bei invasiven Pilzerkrankungen umso geringer sind, je später mit der Therapie begonnen wird, bleibt meist keine Zeit für einen eindeutigen Erreger-Nachweis. Das hat Professor Arne C. Rodloff aus Leipzig gesagt. Das Risiko für einen falsch-negativen Befund bei der Diagnostik sei zudem hoch, so Rodloff auf einer Onkologie-Tagung von MSD in Leipzig. Invasive Mykosen sind lebensbedrohlich. Das rechtfertige, dass bei der empirischen antimykotischen Therapie ein Teil der Patienten unnötig behandelt werde, sagt PD Axel Glasmacher aus Bonn. Das Fieber erweise sich nämlich im Verlauf der Krankheit nur bei einem Teil der Patienten als Folge einer Mykose. Für die empirische Therapie sollten daher nur gut verträgliche und wechselwirkungsarme Antimykotika angewendet werden, so der Onkologe.

Studie mit über 1100 Patienten zur empirischen Therapie

In einer Studie wurden insgesamt 1111 neutropenische Patienten mit mindestens 96-stündigem Fieber empirisch entweder im Mittel 13 Tage mit Caspofungin (50 mg/Tag, 1. Tag 70 mg) oder 12,5 Tage mit liposomalem Amphotericin-B (L-AmB, 3 mg/kg/Tag) behandelt. Bestand bei Studieneinschluss bereits eine Infektion (Baseline-Infektion), und wurde sie erst im Laufe des ersten Tages nachgewiesen, dann ließen sich 52 Prozent der Patienten mit Caspofungin und 26 Prozent mit L-AmB erfolgreich behandeln. Auf Caspofungin sprachen sowohl Patienten mit Aspergillus- als auch mit Candida-Infektionen besser an. Elf Prozent der Patienten mit Baseline-Infektion unter Caspofungin und 44 Prozent unter L-AmB sind gestorben.

Gemessen am Anstieg des Kreatinin-Spiegels war Caspofungin bei drei Prozent der damit behandelten Patienten nephrotoxisch und L-AmB bei zwölf Prozent.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

© robertprzybysz | iStock

Persistierende Onychomykosen

Welche Rolle spielen Biofilme bei Therapieversagen und Rückfällen?

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

© Domepitipat | iStock

Lebensqualität zurückgewinnen

Chronisch rezidivierende Vulvovaginalmykosen

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Pityriasis versicolor

© iStock / C5C

Kleienpilzflechte im Sommer

Pityriasis versicolor sicher erkennen und gezielt behandeln

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

© Kateryna_Kon / stock.adobe.com

PPAR-Isoform-Selektivität: wissenschaftliche Grundlagen und klinische Relevanz

Primär Biliäre Cholangitis: therapeutisches Potenzial der PPAR-Aktivierung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Planegg-Martinsried
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Leitlinien-Update

Welcher Kompressionsstrumpf ist der richtige?

Lesetipps
Farbige Röntgenaufnahme der Lendenwirbelsäule mit einem Kompressionsbruch

© ALAIN POL / Science Photo Library

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Group of people over vintage colors background smiling with hands on chest with closed eyes and grateful gesture on face. Health concept.

© Krakenimages.com / stock.adobe.com

Diskriminierung

Rassismus in der Hausarztpraxis: Warum Hinschauen die Versorgung verbessert