Vorhofflimmern

Orthostatische Hypotonie als Warnsignal

Wenn der Blutdruck beim Aufstehen stark absackt, ist das Risiko, ein Vorhofflimmern zu entwickeln, deutlich erhöht.

Veröffentlicht: 30.12.2013, 06:15 Uhr
Was treibt das Herz?

Was treibt das Herz?

© Borys Shevchuk / fotolia.com

BALTIMORE. Wenn der Blutdruck beim Aufstehen stark absackt, ist das Risiko, ein Vorhofflimmern zu entwickeln, deutlich erhöht. In einer Kohortenstudie war die Risikosteigerung bei orthostatischer Hypotonie vergleichbar mit der bei Diabetes oder Bluthochdruck.

Dass normalerweise beim Wechsel aus einer liegenden oder sitzenden in eine stehende Position der Blutdruck aufrechterhalten wird, ist dem autonomen Nervensystem zu verdanken.

Als Reaktion auf die Umverteilung des Blutes in die Kapazitätsgefäße der Beine kommt es zu einem Anstieg des Sympathikustonus. Wenn der Lagewechsel dagegen mit einem erheblichen Blutdruckabfall verbunden ist, kann dies eine Regulationsstörung im autonomen Nervensystem widerspiegeln.

Fluktuationen im autonomen Nervensystem wird auch bei der Entstehung von Vorhofflimmern eine Rolle zugeschrieben. Ärzte um Sunil K. Agarwal von der Johns Hopkins University in Baltimore haben deswegen untersucht, ob Patienten mit orthostatischer Hypotonie häufiger ein Vorhofflimmern entwickeln (PLoS ONE 2013; 8: e79030).

Für die Untersuchung analysierten sie Daten von 12.071 Teilnehmern der Kohortenstudie ARIC, die bei Studieneinschluss zwischen 45 und 64 Jahre alt und frei von Rhythmusstörungen waren.

Bei 5 Prozent von ihnen (n = 603) wurde anfangs eine orthostatische Hypotonie festgestellt, definiert als Abfall des systolischen Blutdrucks um mindestens 20 mmHg oder des diastolischen Drucks um mindestens 10 mmHg nach dem Wechsel aus der Rückenlage in den Stand.

Höheres Risiko bei orthostatischer Hypotonie

Ein Vorhofflimmern trat während der folgenden 18 Jahre bei 11,9 Prozent der Studienteilnehmer auf.

Patienten mit orthostatischer Hypotonie erkrankten signifikant häufiger (18,4 Prozent vs. 11,6 Prozent). Die altersbereinigte Erkrankungsrate betrug 9,3 pro 1000 Personenjahre gegenüber 6,3 bei den Teilnehmern ohne Blutdruckprobleme beim Aufstehen.

Auch wenn Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und etablierte Risikofaktoren für ein Vorhofflimmern berücksichtigt wurden, war die orthostatische Hypotonie noch immer mit einem um 40 Prozent erhöhten Risiko assoziiert.

Die Größenordnung der Risikozunahme, das betonen Agarwal et al., entsprach damit derjenigen, die infolge von Diabetes oder Bluthochdruck zu beobachten war.

Aus der Studie lässt sich nicht ableiten, ob eine orthostatische Hypotonie nur ein erhöhtes Risiko für ein Vorhofflimmern anzeigt - oder ob sie selbst zu diesem Risiko beiträgt und sich hier ein neuer Ansatzpunkt zur Prävention von Vorhofflimmern bietet.

Für Agarwal und Kollegen haben die Ergebnisse trotzdem schon praktische Relevanz: "Wir hoffen, dass die Ärzte durch unsere Untersuchung für eine mögliche Verbindung zwischen orthostatischer Hypotonie und Vorhofflimmern sensibilisiert werden und sie bei Patienten mit raschen Blutdruckfluktuationen schauen, ob etwas Ernsteres dahintersteckt." (bs)

Mehr zum Thema
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Die EU geht davon aus, dass im Frühjahr zumindest Impfstoff für Risikogruppen und Gesundheitspersonal zur Verfügung stehen könnte.

EU verbreitet Optimismus

Ist der Corona-Impfstoff bald da?

Pflegekräfte versorgen einen Patienten auf der Intensivstation im Operativen Zentrum II des Universitätsklinikums Essen.

COVID-19-Versorgung

Intensivstationen: Das Personal ist der Flaschenhals

Blutgefäß mit Erythrozyten und Sauerstoff-Molekülen: Bei einem kardiogenen Schock kommt es zu einer Schädigung von Endothelzellen, die die innere Gefäßwand auskleiden. Das daraus resultierende „vascular leakage“, also die erhöhte Durchlässigkeit der Gefäße, führt dazu, dass das Gewebe schlechter mit Sauerstoff versorgt wird. Ein neuer molekularer Antikörper soll jetzt die pathophysiologische Kaskade durchbrechen.

Sterberisiko senken

Neuer Therapie-Ansatz bei kardiogenem Schock