Morbus Parkinson

Parkinson-Therapie ist jetzt mit Pflaster möglich

DÜSSELDORF (grue). Erstmals ist eine Parkinson-Therapie auch mit einem Pflaster möglich. Das Präparat mit dem Dopamin-Agonisten Rotigotin ist zur Monotherapie im Parkinson-Frühstadium zugelassen.

Veröffentlicht: 14.03.2006, 08:00 Uhr

Der nicht-ergoline Dopamin-Agonist Rotigotin wurde extra für die transdermale Anwendung entwickelt. Das Matrix-Pflaster ist in vier Wirkstärken mit Freisetzungsraten von 2, 4, 6 oder 8 mg Rotigotin pro Tag erhältlich. Die zwischen 10 cm2 und 40 cm2 großen Pflaster werden einmal täglich gewechselt.

"Wir erreichen mit der transdermalen Aufnahme von Rotigotin stabile Plasmaspiegel und eine kontinuierliche dopaminerge Stimulation", sagte Professor Ullrich Wüllner von der Universität Bonn. Die Therapie mit Dopamin-Agonisten in der Parkinson-Frühphase beuge motorischen Komplikationen vor und werde von den Fachgesellschaften für Parkinson-Patienten unter 70 Jahren empfohlen.

Dabei sei die Pflaster-Therapie für viele Patienten einfacher und auch diskreter als die Tabletten-Einnahme, sagte der Neurologe auf einer Veranstaltung von Schwarz Pharma in Düsseldorf. Das Unternehmen hat jetzt das Pflaster als Neupro® eingeführt.

Weitere Vorteile des Präparates: Es gebe keinen First-Pass-Effekt in der Leber, und das Pflaster wirke unabhängig von Resorptionsstörungen im Darm. "Außerdem kann das Pflaster auch von Patienten mit Schluckstörungen oder mit kognitiven Einbußen angewendet werden", so Wüllner.

Die Wirksamkeit des Pflasters wurde in mehreren Studien belegt: Darin ließen sich mit Rotigotin bei 48 Prozent der Parkinson-Patienten eine Reduktion der Symptome um 20 Prozent auf Parkinson-Skalen erreichen, mit Placebo gelang das bei 19 Prozent der Patienten. Unerwünschten Wirkungen waren vereinzelt Übelkeit und Schläfrigkeit, die Rotigotin-Therapie mußte deswegen aber nur selten abgebrochen werden.

In noch laufenden Studien wird Rotigotin auch bei fortgeschrittener Parkinson-Krankheit geprüft. Dabei zeichnet sich ab, daß mit dem neuen Dopamin-Agonisten der L-Dopa-Bedarf sinkt und die Motorik besser wird. Wüllner sieht Rotigotin deshalb auch als möglichen Kombinationspartner für andere Parkinson-Medikamente.

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