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Pflaster dämpft Zosterschmerz ohne systemische Wirkungen

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FRANKFURT AM MAIN (ner). Durch möglichst frühes Eingreifen sollen chronische neuropathische Schmerzen verhindert werden, lautete eine Forderung beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2008 in Frankfurt am Main. Mit einem lokalanästhetisch wirkenden Pflaster besteht dafür jetzt eine neue Möglichkeit.

Gürtelrose auf der Stirn - darunter leiden viele alte Menschen.

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© Foto: Schauerte

Die derzeitigen Optionen zur Linderung neuropathischer Schmerzen sind einfach nicht optimal, sagte Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie. Wegen der hohen Rate unerwünschter Wirkungen könnten Analgetika oft nicht ausdosiert werden, oder die Behandlung werde wegen schlechter Verträglichkeit abgebrochen. Eine Schmerzreduktion von mehr als 10 bis 30 Prozent sei oft nicht zu erreichen.

Pflaster auch für alte Patienten gut geeignet

Die topische Behandlung mit einem Lidocain-haltigen Hydrogelpflaster (Versatis®) ist bei Patienten mit Post-Zoster-Neuralgie (PZN), die aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters oft eine Polypharmakotherapie benötigen, eine Alternative, hieß es bei einer Veranstaltung von Grünenthal. So war in einer Studie mit mehr als 300 PZN-Patienten bei 40 Prozent eine durchschnittliche Schmerzreduktion von mindestens 50 Prozent pro Tag erreicht worden.

Das Pflaster wird für bis zu zwölf Stunden auf das schmerzende Hautareal geklebt, gefolgt von einem zwölfstündigen pflasterfreien Intervall. Erfahrungsgemäß nehme der Effekt der Dauertherapie zunächst über zwei Wochen zu, sagte der Neurologe und Schmerzforscher Professor Ralf Baron von der Universität Kiel. Eine Ursache dafür sei vermutlich, dass zentrale Schmerzwahrnehmungsprozesse herunterreguliert werden. Dies erklärt offenbar auch eine gewisse Nachwirkzeit bei manchen Patienten, da die topischen Effekte rascher verschwinden.

Besonders hilfreich sei das Pflaster bei starker Berührungsempfindlichkeit, etwa stechenden Schmerzsensationen bei leichter Berührung (Allodynie).

Systemische Wirkungen sind nicht zu befürchten

Diese Areale können mit einem individuell zugeschnittenen Pflasterstück, das auch einen gewissen mechanischen Schutz darstellt, abgedeckt werden. Die Patienten berichten dann von einer wesentlich verbesserten Nachtruhe und Lebensqualität, sagte Dr. Kai-Uwe Kern aus Wiesbaden. Systemische Wirkungen seien nicht zu befürchten. Selbst bei einer 24-Stunden-Anwendung des Pflasters würden nur ein Zehntel der Plasmaspiegel einer systemischen Anwendung von Lidocain erreicht, so Kern. Zugelassen ist das Lidocain-Pflaster zur Linderung neuropathischer Schmerzen nach Herpes-Zoster-Infektionen.

STICHWORT

Neuropathische Schmerzen

Neuropathische Schmerzen sind oft Spontanschmerzen von brennendem Charakter, einschießende Schmerzattacken verbunden mit Hyperalgesie und / oder Allodynie. Sie werden als Endprodukt einer veränderten peripheren, spinalen und zentralen Schmerzverarbeitung angesehen. Ausgangspunkt ist die mechanische, metabolische, toxische oder entzündliche Schädigung der Reizleitungssysteme. Geschädigte, primär afferente nozizeptive C-Fasern können ektope Nervenimpulse generieren. Diese Aktivität kann sowohl peripher am Ort der Läsion stattfinden oder weit entfernt im Spinalganglion. Solche Entladungen werden als Ursache der Schmerzattacken diskutiert. Zusätzlich werden teilweise periphere Nozizeptoren chronisch sensibilisiert.

(ner)

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