Antivirale Medikamente

Pillendose zum Schlucken für 1x wöchentliche HIV-Therapie

Bisher müssen HIV-Infizierte täglich Tabletten schlucken, um den Ausbruch von AIDS zu verhindern. Jetzt entwickeln Forscher die "Pillendose für den Magen". Sie enthält alle Wirkstoffe für eine ganze Therapiewoche.

Von Anne BäurleAnne Bäurle Veröffentlicht:
Wie eine normale Arzneimittelkapsel sieht die „Pillendose für den Magen“ aus. Sie enthält ein auffaltbares Trägersystem mit Arzneiwirkstoffen.

Wie eine normale Arzneimittelkapsel sieht die „Pillendose für den Magen“ aus. Sie enthält ein auffaltbares Trägersystem mit Arzneiwirkstoffen.

© Getty Images/iStockphoto

CAMBRIDGE. Nur eine einzige Tablette in der Woche statt mehrere am Tag – ein von US-Forschern entwickeltes Therapieprinzip könnte die Behandlung HIV-Infizierter deutlich erleichtern. Das Geheimnis der – von außen betrachtet – ganz normalen Tablette ist dabei in ihrem Inneren versteckt: Sobald sie den Magen erreicht löst sich die Kapsel auf und es entfaltet sich ein sternenförmiges, sechsarmiges Polymergerüst, das den Weitertransport durch das Duodenum verhindert, wie die Forscher in einem Video erklären.

Im Verlauf einiger Tage gibt das sternenförmige System dann kontinuierlich seinen Wirkstoff ab – wobei jeder der sechs Arme mit unterschiedlichen Medikamenten beladen werden kann. Sind die Wirkstoffdepots verbraucht, löst sich das System auf, die Reste werden ausgeschieden.

In Versuchen mit Schweinen haben die Forscher um Dr. Giovanni Traverso vom Massachusetts Institute of Technology die sechs Arme des Sterns mit Dolutegravir, Cabotegravir und Rilpivirin beladen (Nat Comm 2018; online 9. Januar). Nachdem sie den Tieren die Medikamentenkapsel oral verabreicht hatten, gab diese im Magen der Schweine die Medikamente über einen Zeitraum von sieben Tagen kontinuierlich ab. Im Blut der Schweine wiesen die Forscher zudem ausreichende Wirkstoffkonzentrationen nach.

Noch hat sich die neue Kapsel nur bei Schweinen bewährt. Die Wissenschaftler zeigen sich allerdings auch für den Einsatz beim Menschen optimistisch. Sie schätzen, dass sich durch eine wöchentliche Dosierung der Medikamente die Effizienz der HIV-Therapie um 20 Prozent bessern ließe, wie sie in einer MIT-Mitteilung berichten. Bezogen auf ein Computermodell der HIV-Transmissionsrate in Südafrika, ließen sich dort so in den nächsten 20 Jahren 200.000 bis 800.000 Infektionen verhindern. Ein weiteres Einsatzgebiet sehen die MIT-Wissenschaftler auch bei der Präexpositions-Prophylaxe, um Menschen mit erhöhtem Risiko vor einer Infektion zu schützen.

Zudem könne das sternenförmige System auch mit anderen Medikamenten beladen werden und eigne sich daher auch für andere Krankheiten, bei denen eine einmal wöchentliche Gabe die Therapie vereinfachen würde. "Das System bleibt das gleiche – wir müssten nur neu berechnen, wie schnell oder langsam die jeweiligen Wirkstoffe freigesetzt werden sollen", wird Erstautor Dr. Ameya Kirtane in der MIT-Mitteilung zitiert.

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