Entwicklungsländer

Pneumonie bei Kindern: Oft ist RSV die Ursache

Hinter schweren Pneumonien bei Kindern stecken in Entwicklungsländern wohl meist Viren als Auslöser – besonders das RS-Virus.

Veröffentlicht: 03.07.2019, 06:03 Uhr

BALTIMORE / MARYLAND. Jedes Jahr sterben weltweit mehr als 900.000 Kinder unter fünf Jahren an Pneumonien, erinnern Forscher der John Hopkins Universität in Baltimore. Damit verursache die Erkrankung mehr Todesfälle bei Kindern als Malaria, Tuberkulose sowie Infektionen mit dem HI-, dem Zika- und dem Ebola-Virus zusammen.

Das Team um Professor Katherine O’Brien hat nun festgestellt, dass Viren, und zwar zum größten Teil das RS-Virus (Respiratory Syncytical Virus), in Ländern mit geringem oder mittlerem Einkommen Ursache für schwere Pneumonien bei Kindern ist. Dies mache deutlich, dass dringend Impfstoffe gegen diese Viren benötigt werden (Lancet 2019; online 27. Juni).

10.000 Kinder getestet

Die Wissenschaftler testeten rund 10.000 Kinder unter fünf Jahren aus sieben afrikanischen und asiatischen Ländern (Gambia, Kenia, Mali, Sambia, Südafrika, Bangladesch und Thailand) auf virale und bakterielle Infektionen sowie Infektionen mit Pilzen. So wurden die Proben unter anderem etwa per PCR und Kultur auf Bordetella pertussis, Streptokokken, Staphylokokken und Haemophilus influenza getestet, aber auch auf Influenza-Viren, RSV und Candida-Infektionen.

4232 dieser Kinder waren zwischen August 2011 und Januar 2014 wegen schwerer Pneumonien in eine Klinik eingeliefert worden, bei den übrigen Kindern handelte es sich um Kinder, die nicht an Pneumonien erkrankt waren. 61 Prozent der schweren Pneumonien wurden den Studienergebnissen zufolge durch Viren ausgelöst, davon allein 31 Prozent durch RSV.

Bakterien waren demnach in nur 27 Prozent der Fälle der Auslöser, allerdings überwogen die Bakterien als Ursache bei sehr schwer verlaufenden Pneumonien. „Der große Anteil von RSV [als Auslöser von schweren Pneumonien bei Kindern] unterstreicht, wie wichtig Vakzinen und Medikamente gegen RSV sind“, schreiben O’Brien und ihr Team.

Forschung zu Impfstoffen stockt

Derzeit steckt die Entwicklung von Impfstoffen gegen RSV allerdings in einer Sackgasse, wie kürzlich Professor Rino Rappuoli, Preisträger des Robert-Koch-Preises 2019, im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“ berichtete. „Die erste experimentelle Vakzine ist 1967 gescheitert, die bislang letzte 2019“, sagte Rappuoli.

Grund sei die Komplexität des Virus: „Das RSV hat mit dem F-Protein ein Haupt-Oberflächenprotein, das sich gut als Impfstoffkandidat eignen würde“, sagte der Biologe, der Chief Scientist und Head of External Research and Development bei GlaxoSmithKline (GSK) Vaccines in Siena ist.

Das Problem: Das Protein kommt in zwei unterschiedlichen Formen vor: „Die Prä-F Form wäre ein hervorragendes Antigen für einen Impfstoff, ist aber leider absolut instabil, da es sich spontan in die viel weniger immunogene Post-F-Form umwandelt, die zwar stabil ist aber keine Basis für einen guten Impfstoff.“ (bae)

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