Prandiale Insulintherapie ist eine physiologische Alternative

WIESBADEN (ej). Wenn Patienten mit Typ-2-Diabetes prandial eine Insulintherapie brauchen, ist nach Ansicht von Dr. Andreas Liebl aus Bad Heilbrunn ein kurzwirksames Insulinanalogon besonders gut geeignet.

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Etwa die Hälfte der Patienten mit Typ-2-Diabetes braucht innerhalb von zehn Jahren Insulin, um einen HbA1c-Wert unter sieben Prozent zu erreichen. "Für den Einstieg ist ein einfaches Insulinmanagement notwendig, das keine schweren Unterzuckerungen verursacht", sagte Liebl. Diese Voraussetzungen sieht der Diabetologe mit der supplementären Insulintherapie (SIT) zu den Mahlzeiten erfüllt, weil die prandiale Insulintherapie primär die Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten kappt und nur ein geringes Hypoglykämierisiko birgt.

Den Insulinbedarf schätzt man ab, indem man den Nüchternblutzucker mit 0,2 multipliziert, bei stark Übergewichtigen mit 0,3. Die so ermittelte Insulin-Tagesdosis teilt man im Verhältnis 3 zu 1 zu 2 auf die drei Mahlzeiten auf. Bleibt trotz guter Blutzuckertageswerte der Nüchternblutzucker hoch, empfiehlt Liebl zusätzlich ein Insulin zur Nacht, wie NPH-Insulin. Es wird stufenweise abends so weit erhöht, bis der Nüchternblutzucker unter 110 mg/dl ist, erläuterte Liebl bei einer Veranstaltung von Novo Nordisk, das Novo-Rapid® anbietet.

"Interessanterweise kann die prandiale Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes weitgehend unabhängig von der Essensmenge gesehen werden", sagte Liebl und wies auf eine Pilotstudie in Bad Heilbrunn mit Typ-2-Diabetikern hin: Sie waren auf eine SIT eingestellt und aßen bei gleicher Insulindosis am ersten Tag zu Mittag ein Nudelgericht von 4 Broteinheiten (BE), am nächsten Tag eins von 3 und dann eins von 5 BE. Die Blutzuckerwerte unterschieden sich mit 90, 102 und 108 mg/dl 90 Minuten postprandial kaum.

Daher fangen die Ärzte in Bad Heilbrunn mit der prandialen Insulintherapie statisch an: zwölf Einheiten vorm Frühstück, vier vorm Mittagessen, acht vorm Abendessen. Das Zählen von Broteinheiten und Multiplizieren mit Insulinfaktoren brauchen nach Ansicht Liebls Typ-2-Diabetiker im allgemeinen nicht, besonders, wenn sie höhere Insulindosen spritzen. In besonderen Situationen sei es hilfreich, wenn sie einen Korrekturfaktor wüßten.

Anhaltspunkt: Wenn Patienten viel Insulin brauchen, senkt eine Einheit Insulin den Blutzucker um 10 mg/dl, bei denen, die wenig Insulin brauchen, können es 30 mg/dl sein. "Die SIT ist eine physiologische Therapie, aber es muß drei- bis viermal am Tag gespritzt werden und häufig Blutzucker gemessen werden. Eine Schulung ist obligat", so Liebl.

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