CRC

Profitieren Ältere von Nachsorge-Koloskopie?

In einer Studie zur Überwachungskoloskopie wurden bei über 75-Jährigen nur wenige kolorektale Karzinome entdeckt; die Risiken des Verfahrens waren erhöht.

Veröffentlicht:

LOS ANGELES. Patienten, denen kolorektale Karzinome oder deren Vorstufen entfernt wurden, sollen koloskopisch überwacht werden - unabhängig von ihrem Alter. Bei Patienten ab 75 Jahren ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Nachsorge-Koloskopie wegen Darmpolypen oder Darmkrebs in der Anamnese aber offenbar deutlich ungünstiger als bei jüngeren.

"Sie haben eine geringe Inzidenz von kolorektalen Karzinomen und eine relativ hohe Rate von postprozeduralen Krankenhausaufnahmen", berichten Ärzte um Dr. An Hong Tan vom Kaiser Permanente Medical Center in Los Angeles (JAMA Intern Med 2014; online 11. August).

Die Mediziner haben retrospektiv die Daten von 27.763 Versicherten im Alter ab 50 Jahren ausgewertet, die sich zwischen 2001 und 2010 einer Überwachungskoloskopie unterzogen hatten. 4834 von ihnen waren schon 75 Jahre oder älter; die übrigen Patienten dienten als Referenzgruppe.

Während des Follow-up von im Mittel vier Jahren wurden insgesamt 373 kolorektale Karzinome entdeckt, davon nur fünf bei den Älteren und 368 bei den Jüngeren. Mit 0,24 pro 1000 Personenjahre lag die Krebsinzidenz in der Altersgruppe ≥75 signifikant niedriger als in der Vergleichsgruppe mit 3,61 pro 1000 Personenjahre.

Berücksichtigte man Geschlecht, Krebs- vs. Adenomvorgeschichte, Komorbiditäten und weitere Risikofaktoren, dann war das Darmkrebsrisiko in der Gruppe der Alten sogar um 94 Prozent niedriger.

Auf der anderen Seite war die Darmspiegelung bei den betagten Patienten mit einem höheren Risiko verbunden. 3,8 Prozent von ihnen mussten innerhalb von 30 Tagen nach der Untersuchung stationär aufgenommen werden, bei den Jüngeren waren es nur 2,3 Prozent.

Von den Krankenhauseinweisungen wurden insgesamt zwar nur 13 Prozent direkt auf die Endoskopie zurückgeführt, mehrheitlich war die Verschlechterung der Grunderkrankung daran schuld - doch auch die könnte nach Einschätzung der Studienautoren mit der invasiven Untersuchung zusammenhängen.

Patienten ab 75 hatten, auch wenn andere Einflüsse berücksichtigt wurden, ein um 28 Prozent höheres Risiko für eine postprozedurale Klinikaufnahme als Patienten zwischen 50 und 74. Das Risiko stieg auch mit dem Grad der Komorbidität: Ein Charlson-Index von 3 oder mehr war mit einer dreifach erhöhten Hospitalisierungsrate assoziiert.

Tran und Kollegen halten es aufgrund dieser Beobachtungen für sinnvoll, "zukünftige Empfehlungen für die Nachsorge-Koloskopie bei älteren Patienten zu individualisieren". Insbesondere das Alter und die Begleiterkrankungen sollten dabei starke Berücksichtigung finden. (BS)

Mehr zum Thema

Krebs-Impfung

Gemischtes Doppel für die Darmkrebs-Impfung

Das könnte Sie auch interessieren
Chemotherapie-Kachexie beim mCRC?

Kolorektales Karzinom

Chemotherapie-Kachexie beim mCRC?

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
GI-Tumore und die Rolle von Angiogenesehemmern

© Getty Images/iStockphoto

Überblick

GI-Tumore und die Rolle von Angiogenesehemmern

Anzeige | Lilly Deutschland GmbH
Probeentnahme für einen Corona-Test: In den USA sind im ersten Jahr der Coronaimpfung knapp 14 Prozent der komplett geimpften Krebskranken an COVID erkrankt, aber nur 5 Prozent der geimpften Patienten ohne Krebs. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Pekic / Getty Images / iStock

Viele Durchbruchsinfektionen

COVID-19 bleibt auch für geimpfte Krebspatienten gefährlich

Kommentare
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentare lesen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Schlafstörung? Da greifen viele Patienten eigenständig zu Melatonin. (Symbolbild mit Fotomodellen)

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Schlafstörungen: Vorsicht vor unkritischem Melatonin-Einsatz

Constanze Jäger fungiert am Städtischen Klinikum Braunschweig als Employee Happiness Managerin.

© [M] Porträt: Klinikum Braunschweig/Dennis Schulten | Martyshova / stock.adobe.com

Zufriedene Mitarbeiter

Glücksmanagerin greift im Krankenhaus unter die Arme