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Profitieren Ältere von Nachsorge-Koloskopie?

In einer Studie zur Überwachungskoloskopie wurden bei über 75-Jährigen nur wenige kolorektale Karzinome entdeckt; die Risiken des Verfahrens waren erhöht.

Veröffentlicht: 29.08.2014, 15:21 Uhr

LOS ANGELES. Patienten, denen kolorektale Karzinome oder deren Vorstufen entfernt wurden, sollen koloskopisch überwacht werden - unabhängig von ihrem Alter. Bei Patienten ab 75 Jahren ist das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer Nachsorge-Koloskopie wegen Darmpolypen oder Darmkrebs in der Anamnese aber offenbar deutlich ungünstiger als bei jüngeren.

"Sie haben eine geringe Inzidenz von kolorektalen Karzinomen und eine relativ hohe Rate von postprozeduralen Krankenhausaufnahmen", berichten Ärzte um Dr. An Hong Tan vom Kaiser Permanente Medical Center in Los Angeles (JAMA Intern Med 2014; online 11. August).

Die Mediziner haben retrospektiv die Daten von 27.763 Versicherten im Alter ab 50 Jahren ausgewertet, die sich zwischen 2001 und 2010 einer Überwachungskoloskopie unterzogen hatten. 4834 von ihnen waren schon 75 Jahre oder älter; die übrigen Patienten dienten als Referenzgruppe.

Während des Follow-up von im Mittel vier Jahren wurden insgesamt 373 kolorektale Karzinome entdeckt, davon nur fünf bei den Älteren und 368 bei den Jüngeren. Mit 0,24 pro 1000 Personenjahre lag die Krebsinzidenz in der Altersgruppe ≥75 signifikant niedriger als in der Vergleichsgruppe mit 3,61 pro 1000 Personenjahre.

Berücksichtigte man Geschlecht, Krebs- vs. Adenomvorgeschichte, Komorbiditäten und weitere Risikofaktoren, dann war das Darmkrebsrisiko in der Gruppe der Alten sogar um 94 Prozent niedriger.

Auf der anderen Seite war die Darmspiegelung bei den betagten Patienten mit einem höheren Risiko verbunden. 3,8 Prozent von ihnen mussten innerhalb von 30 Tagen nach der Untersuchung stationär aufgenommen werden, bei den Jüngeren waren es nur 2,3 Prozent.

Von den Krankenhauseinweisungen wurden insgesamt zwar nur 13 Prozent direkt auf die Endoskopie zurückgeführt, mehrheitlich war die Verschlechterung der Grunderkrankung daran schuld - doch auch die könnte nach Einschätzung der Studienautoren mit der invasiven Untersuchung zusammenhängen.

Patienten ab 75 hatten, auch wenn andere Einflüsse berücksichtigt wurden, ein um 28 Prozent höheres Risiko für eine postprozedurale Klinikaufnahme als Patienten zwischen 50 und 74. Das Risiko stieg auch mit dem Grad der Komorbidität: Ein Charlson-Index von 3 oder mehr war mit einer dreifach erhöhten Hospitalisierungsrate assoziiert.

Tran und Kollegen halten es aufgrund dieser Beobachtungen für sinnvoll, "zukünftige Empfehlungen für die Nachsorge-Koloskopie bei älteren Patienten zu individualisieren". Insbesondere das Alter und die Begleiterkrankungen sollten dabei starke Berücksichtigung finden. (BS)

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Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl

eine Schrott-Untersuchung im Auftrag der Krankenkasse

"Kaiser Permanente" ist eine Krankenkasse. Hier wird etwas "korreliert" das keine kausale Beziehung hat.
So was ähnliches wie die Bertelmann-Stiftung mit ihrer Patientenbefragung "gegen Coloskopie". Erinnert peinlich an das USA-Theater GEGEN den PSA-Labortest zum Prostata-Ca-screening alter Männer, bei der kein einziger Urologe beteiligt war.
Kein Arzt wird einen Patient bei sehr schlechtem AZ zu einer Screening Untersuchung bewegen. Im übrigen handelt es sich bei polypenfreien Patienten über 75 logischerweise sowieso nach gastroenterologischen Leitlinien um maximal eine Untersuchung, ok, es sei denn er wird 100 Jahre:-)
An der Effizienz zu Senkung des häufigsten malignen Tumors (Männer + Frauen) kann jedoch kein Zweifel bestehen. Zu überlegen wäre allenfalls hier noch einen Anästhesisten an das Kopfende zu stellen.
Hm, dann werden die Kassen noch mehr schreien.


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