Asthma/COPD

Prognoseabschätzung verbessert

Die Risikostratifizierung von COPD-Patienten nach der GOLD-Leitlinie von 2011 ist nicht unumstritten. Aber: Zur Prognosebeurteilung lohnt sich die neue Klassifizierung nach Lungenfunktion, Symptomatik und Häufigkeit von Exazerbationen.

Veröffentlicht: 03.12.2014, 15:46 Uhr

MÜNCHEN. Die COPD-Risikogruppen A-D korrelieren besser mit Mortalität und Morbidität der Patienten als die frühere Einteilung nur nach der Lungenfunktion (FEV1-Wert). Das verdeutlicht eine niederländische Studie bei 665 Patienten, deren Erkrankung sowohl nach der alten (GOLD 2007) als auch der neuen Klassifikation (GOLD 2011) beurteilt worden ist.

Die Einschätzung des Schweregrades einer COPD veränderte sich bei vielen Patienten bei Reklassifizierung nach GOLD 2011. Besonders der Anteil der Patienten mit sehr schwerer Erkrankung und hohem Komplikationsrisiko (Risikogruppe D: schlechte Lungenfunktion, häufige Symptome, mindestens zwei Exazerbationen im vergangenen Jahr) nahm deutlich zu, auf insgesamt mehr als ein Drittel, berichtete Dr. Marjolein Brusse-Keizer aus Enschede beim Kongress der European Society (ERS) in München.

Im Verlauf der dreijährigen Untersuchung war bei Patienten der Risikogruppe D die Mortalität am höchsten, und sie mussten deutlich früher erstmals wegen einer akuten Exazerbation oder Pneumonie in die Klinik als die übrigen Patienten. Gering waren bei diesen Parametern die Unterschiede zwischen Patienten der Risikogruppen B (FEV1-Wert ≥ 50%, häufig Symptome, selten Exazerbationen) und C (FEV1-Wert < 50 %, wenig Symptome, hohes Exazerbationsrisiko).

Wichtig ist es, dass bei Beurteilung der Symptomatik mittels Patientenfragebögen immer der gleiche Fragebogen benutzt wird, betonte Brusse-Keizer. In der Studie erwies sich der CCQ (Clinical COPD Questionnaire) mit einem Cutoff von 1,5 Punkten zur Risikostratifizierung und Prognoseabschätzung als besser geeignet als der in GOLD empfohlene mMRC-Fragebogen (modified Medical Research Council scale). Möglichst sollte der Symptomindex noch durch die Komorbiditäten und die systemische Entzündungskomponente ergänzt werden, so Brusse-Keizer.

Eine COPD gilt heute nicht mehr nur als Lungenerkrankung, sondern als systemische Erkrankung mit Entzündungszeichen. In einer italienischen Studie wurde dies durch Blutuntersuchungen von 36 COPD-Patienten belegt, je zur Hälfte vom Bronchitis- und Emphysem-Typ. Entzündungsmarker wie Interleukin-2, -10, Tumornekrosefaktor-alpha und VEGF waren deutlich erhöht, berichtete Dr. Piero Ceriana aus Pavia. Gleichzeitig waren die Spiegel von Antioxidanzien wie Superoxiddismutase-1 im Vergleich zu Kontrollpersonen verringert, besonders deutlich bei Patienten vom Emphysem-Typ. Tendenziell gab es bei diesen Patienten eine noch größere Imbalance zwischen Entzündung und antioxidaten Abwehrmechanismen als bei COPD-Patienten vom Bronchitis-Typ, sagte Ceriana. Eine deutliche Unterscheidung der COPD-Phänotypen anhand der Biomarker war allerdings nicht möglich. (rf)

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