Ernährung

Rat zu „Low Carb“ bei Diabetes greift zu kurz

Typ-2-Diabetiker sollten bei ihrer Ernährung wohl eher darauf achten, woher die Kohlenhydrate stammen als komplett auf „Low Carb“ zu setzen.

Veröffentlicht: 31.10.2019, 16:41 Uhr

Barcelona. 2019 stellte die US-Diabetesgesellschaft ADA in ihren Standards fest, dass Diäten mit einem reduzierten Kohlenhydratanteil („Low Carb“) die glykämische Kontrolle möglicherweise verbessern können. Die Diabetes and Nutrition Study Group in der European Association for the Study of Diabetes ging der Evidenz rund um „Low Carb“ und Diabetes in einer Metaanalyse auf den Grund.

Die Literaturrecherche förderte 23 Studien für qualitative und 19 Studien für quantitative Analysen zutage, berichtete Professor Anne-Marie Aas von der Universität Oslo anlässlich der EASD-Jahrestagung in Barcelona. Die Studien dauerten zwischen drei Monaten und drei Jahren, der Kohlenhydratanteil war in den Low-Carb-Gruppen mit 5-40 Prozent und einem Energieanteil von 35-42 Prozent am Gesamtenergiegehalt der Nahrung sehr unterschiedlich. Einige Diäten waren energiereduziert, andere nicht.

Die Analyse ergab bei Patienten mit Typ-2-Diabetes einen bei „Low-Carb“-Diät im Vergleich zu Normalkost leicht reduzierten HbA1c, allerdings war der Effekt in einer Subgruppenanalyse nur bei Studien mit kurzer Dauer (3-6 Monate) nachweisbar, wie Aas betonte.

Die länger andauernden Studien zeigten keinen Vorteil von „Low Carb“ für die glykämische Kontrolle. Einen günstigen Effekt der Kohlenhydratbeschränkung auf Gewichtsreduktion, systolischen oder diastolischen Blutdruck oder Lipide allgemein ließ sich nicht belegen. Nur die kurzdauernden Studien deuteten auf eine geringe Reduktion der Triglyceridspiegel im Vergleich zu einer nicht Kohlenhydrat-reduzierten Ernährungsweise.

Aas vermutet, dass extreme Low-Carb-Diäten einfach nicht durchgehalten werden und schon deshalb keine Langzeiteffekte gezeigt werden können. Ein Unterschied zwischen Diäten mit starker und weniger ausgeprägter Kohlenhydratrestriktion erbrachten im Übrigen keine deutlichen Unterschiede, nur der LDL-Spiegel veränderte sich bei sehr geringem Kohlenhydratanteil besonders deutlich.

Gemäß der Metaanalyse ist die Reduktion des Kohlenhydratanteils in der Ernährung nicht entscheidend. Vielmehr sollte die Quelle der Kohlenhydrate im gesamten Ernährungsplan beachtet werden, erklärte Aas. Ein überwiegender Anteil von Kohlenhydraten aus Obst, Salat, Gemüse oder Vollkornprodukten ist günstig. Alltagstauglich sind bekannte Ernährungsformen wie mediterrane, nordische oder vegetarische Ernährung, für die es eine Vielzahl von Rezepten gibt und die auch auf längere Sicht durchgehalten werden können. „Keine dieser Ernährungsformen ist besonders reich oder arm an Kohlenhydraten“, erklärte Aas. „Entscheidender als der Anteil der Makronährstoffe ist sowieso Energiebilanz, Energiereduktion (zur Gewichtskontrolle) und die Qualität der Ernährung.“ (fk)

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