Rezidivierendes Fieber? Fragen Sie Dr. House!

Spätestens seit es das CAP-Syndrom in die US-Ärzte-Soap Dr. House geschafft hat, sind periodische Fieber keine Kolibris mehr. Wer dran denkt, kann Organe retten.

Philipp Grätzel von GrätzVon Philipp Grätzel von Grätz Veröffentlicht:
Dr. House alias Hugh Laurie: Vorreiter in Sachen CAP-Syndrom.

Dr. House alias Hugh Laurie: Vorreiter in Sachen CAP-Syndrom.

© Paul Buck / dpa

WIESBADEN. Periodische Fiebersyndrome sind eine seltene, aber wichtige Differenzialdiagnose bei unklarem Fieber.

Dr. Jasmin Kümmerle-Deschner von dem an der Universität Tübingen angesiedelten deutschen Autoinflammation Reference Center (arcT) gab einen Überblick über das fast monatlich breiter werdende Spektrum dieser genetisch determinierten, oft familiär auftretenden Erkrankungen des angeborenen Immunsystems.

Mittlerweile sind mehr als ein Dutzend periodische Fiebersyndrome bekannt. Teilweise existieren über einhundert verschiedene Mutationen pro Gen, die mit unterschiedlich stark ausgeprägten Symptomen einher gehen.

Die Mehrheit der Patienten werde im Kindesalter diagnostiziert. "Symptome können aber auch nach dem fünfzigsten Lebensjahr auftreten", so die Expertin.

Auswirkung auf etliche Organe

Wegweisend ist oft das Fieber, meist kombiniert mit Kopf- oder Bauchschmerzen, grippeähnlichen Symptomen und Exanthemen. Kurze Fieberschübe von weniger als drei Tagen deuten in Richtung familiäres Mittelmeerfieber (FMF), vor allem bei Patienten mit türkischem, armenischem oder arabischem Hintergrund.

Drei bis zehn Tage andauernde Fieberschübe sind verdächtig auf ein Cryoporin-assoziiertes periodisches Syndrom (CAPS), das durch Kälte ausgelöst wird.

Sind die Schübe noch länger, steht eher ein TNF-alfa-Rezeptor-assoziiertes periodisches Syndrom (TRAPS) im Raum.

Das gemeinsame Risiko ist die Entwicklung einer Amyloidose mit chronischem Nierenversagen. Je nach Gen und Art der Mutation können aber auch andere Organe in Mitleidenschaft gezogen werden.

Ein bisschen Dr. House für jeden

So kommt es beim CAPS sehr häufig zu einer Innenohrschwerhörigkeit. Vor allem wegen der drohenden Organschäden sei es wichtig, Patienten mit rezidivierenden Fiebern möglichst früh zu erkennen, und nicht erst nach Jahrzehnten, wie das noch bis vor Kurzem fast Standard war.

Wer diagnostiziert ist, kann oft effektiv therapiert werden, entweder dauerhaft oder im Schub. Colchizin-Präparate sind beim FMF, NSAR beim TRAPS weiterhin Standard.

Beim CAPS und generell bei schweren Verläufen etablieren sich IL 1-Blocker wie Canakinumab und Anakinra und IL 6-Blocker wie Tocilizumab. Damit bildeten sich sogar bestehende Organschäden teilweise zurück, so Kümmerle-Deschner.

Fazit: Ein bisschen Dr. House sollte jeder in sich haben. Dem Arzt mit dem irren Blick fiel die CAPS-Diagnose ein, als er merkte, dass es im MRT-Raum, wo seine Patientin kurz vor einem Schub war, immer so kalt ist.

Mehr zum Thema

Gesetzliche Unfallversicherung

Arbeitsunfall: Was bei der Schmerzversorgung gilt

Palliativregisteranalyse

Menschen mit Krebs: Viel Schmerz am Lebensende

Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3, 17–19]

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Frauenärztin und Aufklärerin auf Instagram

Dr. Annika Schauer: Gynfluencerin und Wies’n-Kellnerin

Lesetipps
Eine ältere Frau bekommt eine Impfung in den rechten Oberarm.

© David Pereiras / Stock.adobe.com

RCTs und Real-World-Evidenz

Wie gut die RSV-Impfung bei Erwachsenen wirkt – und ankommt