Direkt zum Inhaltsbereich

Rheumatologen suchen den Jungbrunnen

BERLIN (gvg). Neue Beobachtungen zur Immunpathologie bei Rheumatoider Arthritis (RA) haben beim Deutschen Rheuma-Kongress für Diskussionen gesorgt. Demnach ist das Immunsystem bei RA-Patienten um Jahrzehnte vorgealtert. Das Immunsystem eines 40-jähriger RA-Patient gleicht dem eines 70-Jährigen.

Veröffentlicht:

"Von einem überaktiven Immunsystem, wie das bisher immer postuliert wurde, kann wirklich keine Rede sein", sagte Professor Jörg Goronzy vom Lowance Center for Human Immunology in Atlanta.

Festgemacht werden kann der Alterungsprozess an verschiedenen Faktoren. So ist die Produktion von T-Zellen im Thymus eingeschränkt, und periphere Immunzellen weisen Veränderungen auf, die sonst erst viel später auftreten. Auch sind hämatopoietische Stammzellen bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis weniger zahlreich als bei altersgleichen Gesunden. Und bei diesen Zellen sind die Endkappen der Chromosomen - die Telomere - verkürzt, was in der Zytologie als deutliches Zeichen einer Zellalterung gilt.

Helfen gegen Zellalterung: Bewegung und Verzicht aufs Rauchen.

Diese Erkenntnisse sind nicht nur wissenschaftlich interessant. Sie haben auch Implikationen für die Therapie bei Rheumatoider Arthritis. So sei vorstellbar, dass künftige Therapien bei RA-Patienten nicht mehr das Immunsystem supprimieren, sondern es eher modifizieren, um es am zu raschen Altern zu hindern.

Ein denkbarer Ansatz, das zu erreichen, sind Zelltherapien wie die Transplantation hämatopoietischer Stammzellen. "Bei multipler Sklerose werden solche Therapien schon eingesetzt, und diese Erkrankung hat beim Immunsystem einige Gemeinsamkeiten mit der RA", sagte Professor Roland Martin vom Uniklinikum Hamburg-Eppendorf.

Eine andere Möglichkeit wären natürlich spezifische Medikamente, also der Jungbrunnen fürs Immunsystem aus der Blisterpackung. "Das ist derzeit noch Grundlagenforschung", sagte Goronzy. Ganz traditionell geht es aber auch: Körperliche Aktivität und ein Verzicht auf Zigaretten gelten als relativ effektive Maßnahmen gegen die zelluläre Alterung. Das sollten Ärzte ihren RA-Patienten auf jeden Fall empfehlen, so die einhellige Meinung der Experten. Heute schon.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Entzündungsgrad und Rezidivrisiko

Riesenzellarteriitis abklären mit Ultraschall und OGUS

Rotatorenmanschetten-Anomalien

MRT-Befunde wohl nicht mit chronischen Schultersymptomen assoziiert

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Achtung vor RLS-Mimics

Restless-Legs-Syndrom: Mit 5 Kriterien zur Diagnose

Lesetipps
Einzelne Bilder von Lebensmitteln die reich an Histamin sind.

© PhotoSG / stock.adobe.com

Mythos mit Nebenwirkungen

Verdacht auf Histaminintoleranz: Wie Sie jetzt vorgehen

Eine auswahl frischer, unverarbeiteter Lebensmittel mit antioxidativen Wirkungen.

© bit24 - stock.adobe.com

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Cristiano Ronaldo schießt auf das Tor von Manuel Neuer.

© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Matthias Hangst

Fußball-Weltmeisterschaft

WM-Kolumne: Spitzensport schützt – und hinterlässt Spuren