Rote "Socken" durch kranke Gefäße

Über ein anfallsartiges und schmerzhaftes Brennen beider Füße und Unterschenkel berichtete ein sonst gesunder 33-jähriger Mann. Ursache der Beschwerden war eine seltene neurovaskuläre Krankheit.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Bei Wärme schwollen dem Patienten schmerzhaft die Füße und Unterschenkel an - so als ob er rote Strümpfe trüge.

Bei Wärme schwollen dem Patienten schmerzhaft die Füße und Unterschenkel an - so als ob er rote Strümpfe trüge.

© Prof. Joachim Dissemond, Essen

NEU-ISENBURG. Die Beschwerden traten stets nach Wärme-Exposition auf. Das Einzige was gegen die "roten Socken" und die brennenden Schmerzen half, war kaltes Wasser. Dann verschwanden die Symptome rasch.

Nachdem Professor Joachim Dissemond von der Universitätshautklinik in Essen mit einem Wärmeprovokationstest den Vorgang reproduziert hatte, stellte er die Diagnose einer Erythromelalgie (MMW 2011, 9: 5).

Dabei handele es sich um eine seltene neurovaskuläre Erkrankung mit anfallsartiger Hyperämie der distalen Extremitäten.

Diese werden als brennend und schmerzhaft empfunden. "Die Symptome können wenige Minuten bis zu mehreren Stunden anhalten", so Dissemond.

Ursachen sind unklar

Die genauen Ursachen der Krankheit sind unklar. Womöglich handelt es sich um funktionelle Durchblutungsstörungen.

Der Essener Patient hatte die Beschwerden erst seit wenigen Monaten. Bei manchen Patienten sind pathologische Reflexe, eine gestörte adrenerge Funktion und/ oder abnorme kardiovagale Funktionen nachgewiesen worden.

 Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen

Zudem kann die Erythromelalgie sekundär bei Diabetikern, bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Polycythämia vera Lues, Autoimmunkrankheiten oder nach viralen Infektionen auftreten. Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen.

Eine kausale Therapie gibt es nicht, es sei denn, die Verbindung zu einer chronischen Grunderkrankung liegt nahe.

Nach Angaben von Dissemond kann man versuchen, mit regelmäßigen warmen Bädern eine Gewöhnung zu erreichen. Vereinzelt wurden erfolgreiche Therapien mit Acetylsalicylsäure, Indometacin oder Prostaglandinen beschrieben.

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