Direkt zum Inhaltsbereich

SSRI begünstigt Erholung nach Schlaganfall

Wird die Reha nach Apoplexie bald um die Medikation mit Fluoxetin ergänzt? Offenbar fördert es die Motorik von Armen und Beinen sowie die Selbstständigkeit.

Veröffentlicht:

TOULOUSE (ars). Wirkt ein Antidepressivum gegen Hemiplegie und Hemiparese nach Schlaganfall? Das ist jetzt in einer Studie geprüft worden, zu deren Beginn die Patienten mäßig bis stark behindert waren.

 Auf einer Skala, mit der die Motorik beurteilt wird (Fugl-Meyer-Motorik-Skala), erreichten sie höchstens 55 Punkte. Gesunde kommen bei diesem Test für die oberen und unteren Extremitäten zusammen 100 Punkte, weniger als 50 bedeuten schwere motorische Defizite.

Nach drei Monaten hatte sich der Wert bei den Patienten mit täglich 20 mg Fluoxetin im Durchschnitt um 34 Punkte erhöht, mit Placebo um 24,3 Punkte - ein signifikanter Unterschied. Dabei waren die motorischen Fähigkeiten sowohl der Arme als auch der Beine besser geworden. Zudem konnten die Patienten mit Fluoxetin Alltagsverrichtungen signifikant selbstständiger bewältigen (The Lancet Neurology online).

Die Forscher um Professor François Chollet aus Toulouse hatten für ihre Studie 118 Patienten zwischen 18 und 85 Jahren aus neun stroke units in Frankreich ausgewählt, wobei Depressionen ein Ausschlusskriterium waren. Je zur Hälfte erhielten die Teilnehmer Verum oder Placebo. Diese Therapie startete fünf bis zehn Tage nach dem Schlaganfall und erfolgte parallel zur Physiotherapie.

Ausgangspunkt der Studie waren kleinere klinische Versuche mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern, die günstig verliefen. Die Autoren weisen auf einen weiteren Vorteil des Fluoxetins hin: Bis zum Tag 90 waren in der Placebogruppe 29 Prozent der Teilnehmer an Depressionen erkrankt, in der Verumgruppe 7 Prozent.

Allgemein treten im ersten Jahr nach dem Schlaganfall bei 20 bis 50 Prozent der Patienten Post-Stroke-Depressionen auf.

Fazit der Forscher: Apoplexie-Patienten profitieren von Arzneimitteln, die über Neurotransmitter die spontane Plastizität des Gehirns steigern.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Datenbankstudie

Wann DOAK wieder ansetzen nach Darmspiegelung?

Akuter ischämischer Insult oder TIA

Schützt GLP-1-Rezeptoragonist vor frühen Schlaganfall-Rezidiven?

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Diagnostik bei Harnsteinen: Prozedere bei Hochrisiko-Gruppe

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5, 11]

Hoher Medical Need

Urolithiasis: Metaphylaxe kann hohe Rezidivrate deutlich senken

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Aristo Pharma GmbH, Berlin
Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

© Pinit / stock.adobe.com / generiert mit KI

Pädiatrische cholestatische Lebererkrankungen

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Transition Betroffener in die Erwachsenenmedizin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mirum Pharmaceuticals Germany GmbH, München
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Lithiumtherapie aktiviert WNT-Signalweg

Regeneration der COPD-Lunge: Was ist da möglich?

Änderungen im Überblick

So wirkt sich das GKV-Spargesetz auf Praxen aus

Hepatologie im Wandel

Patienten mit Leberfibrose und -zirrhose bald heilbar?

Lesetipps
Ärztin untersucht einen Mann an der Schulter

© New Africa / stock.adobe.com

Betäubungsmittel richtig verordnen

Opioide in der Urlaubsvertretung: Wie sich Missbrauch vorbeugen lässt

Tablets to maintain the correct functioning of the human cardiovascular system on a blue background close-up

© bisonov / stock.adobe.com

Kombi schlägt Monotherapie

Diese Blutdrucksenker werden am besten vertragen