Hochdosierte Therapie

Säurehemmer fördern Vitamin-B12-Mangel

Bei Daueranwendern von Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) und H2-Antagonisten lohnt es sich, den Vitamin-B12-Spiegel im Blick zu behalten.

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OAKLAND. Bei Daueranwendern von Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) und H2-Antagonisten lohnt es sich, den Vitamin-B12-Spiegel im Blick zu behalten.

Darauf machen Ärzte des US-amerikanischen Gesundheitsdienstleisters Kaiser Permanente aufmerksam (JAMA 2013; 310(22): 2435-2442).

"Die Anwendung von säurehemmenden Medikamenten für mindestens zwei Jahre geht mit einem erhöhten Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel einher", warnen die Ärzte um Jameson R. Lam aus Oakland (Kalifornien).

Sie haben die Verordnungen von Versicherten mit und ohne Diagnose eines Vitamin-B12-Defizits analysiert. Bei 25.956 Patienten war zwischen 1997 und 2011 ein solcher Mangel festgestellt worden. Ihnen waren pro Fall bis zu zehn vergleichbare Kontrollpersonen, insgesamt 184.199 Gesunde, gegenübergestellt worden.

PPI und H2-Blocker im Fokus

Von den Versicherten mit B12-Defizienz hatten 12,0% bzw. 4,2% für zwei oder mehr Jahre einen PPI bzw. einen H2-Blocker verschrieben bekommen. Von den Kontrollpersonen waren dies nur 7,2% bzw. 3,2%.

Damit bestand sowohl bei den PPI- als auch bei den H2-Blocker-Verordnungen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Diagnose eines Vitaminmangels (Odds Ratio, OR 1,65 bzw. 1,25).

Insbesondere bei PPI-Anwendung erhöhte sich das Risiko mit der Dosierung (1,5 Tabletten pro Tag: OR 1,95); bei H2-Blockern war eine schwächere Dosis-Wirkungs-Beziehung zu beobachten.

Die Assoziation zwischen PPI und B12-Defizit war außerdem umso enger, je kürzer die Therapie zurücklag (letzte Verordnung vor weniger als einem Jahr: OR 1,80, letzte Verordnung vor drei und mehr Jahren: OR 1,38).

PPI wirkten sich auch unabhängig davon, ob weitere bekannte Risikofaktoren bestanden, ungünstig auf den B12-Status aus (ohne: OR 1,65, mit: OR 1,50). Lediglich bei nachgewiesener Helicobacter-pylori-Infektion verschwand der Einfluss der säurehemmenden Therapie.

 Den stärksten nachteiligen Effekt hatten PPI bei jüngeren Patienten (, 30 Jahre: OR 8,12), mit dem Alter schwächte sich die Wirkung immer weiter ab (über 80 Jahre: OR 1,04). Zudem war die Risikosteigerung bei Frauen deutlicher ausgeprägt als bei Männern (OR 1,84 vs. 1,43).

Ein kausaler Zusammenhang wird vermutet

Die Prävalenz eines Vitamin-B12-Mangels lag bei den über 50-jährigen Kaiser-Permanente-Versicherten bei 2,3%. Ein Exzessrisiko von 1,65 mit PPI bedeutet unter diesen Bedingungen, dass mit einer zusätzlichen Mangeldiagnose zu rechnen ist, wenn 67 Patienten mindestens zwei Jahre lang behandelt werden.

Laut Lam und Kollegen spricht vieles dafür, etwa die Dosis- und Zeitabhängigkeit, dass der von ihnen gefundene Zusammenhang kausal ist. Außerdem weiß man, dass Magensäure benötigt wird, damit Vitamin B12 von Nahrungsproteinen abgespalten und resorbiert werden kann.

Dank zusätzlicher Analysen können Lam et al. auch weitgehend ausschließen, dass die Korrelation nur auf vermehrte ärztliche Kontakte der Patienten mit Säurehemmer-Therapien zurückzuführen ist.

Doch selbst wenn nicht beachtete Einflussfaktoren eine Rolle spielen würden, identifiziere die Anwendung der Medikamente zumindest eine Population mit erhöhten B12-Mangel-Risiko, so ihr Fazit.

Die US-Ärzte sehen in ihren Daten keine Empfehlung, auf eine indizierte säurehemmende Therapie zu verzichten. "Ärzte sollten jedoch eine angemessene Wachsamkeit walten lassen, wenn sie diese Medikamente verordnen, und die niedrigstmögliche wirksame Dosis wählen." (bs)

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