Diabetes-Warnsystem

Sagen Proteine Diabetes voraus?

Forscher haben Blutproben von Kindern mit Diabetes-Autoantikörpern analysiert. Ergebnis: Typ-1-Diabetes lässt sich anhand von Eiweißen wohl voraussagen. Können Ärzte Blutwerte als frühes Warnsystem nutzen?

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Können Ärzte aus Blutproben die Entwicklung von Diabetes ableiten?

Können Ärzte aus Blutproben die Entwicklung von Diabetes ableiten?

© Gerhard Seybert / fotolia.com

MÜNCHEN. Bestimmte Proteine im Blut von Kindern können einen Typ-1-Diabetes vorhersagen, hat eine Münchner Studie ergeben.

Ausgangspunkt der Arbeit am Helmholtz Zentrum München waren zwei Studien, die die Entstehungsmechanismen von Typ-1-Diabetes aufklären sollen (BABYDIAB und BABYDIET). Daran nehmen Kinder teil, die direkt mit Typ-1-Diabetikern verwandt sind und so ein erhöhtes Risiko haben, selbst zu erkranken.

Doch dieser Autoimmunprozess entwickelt sich nicht von einem Tag auf den anderen: Oft durchlaufen die Kinder längere Vorstufen ohne Symptome, in denen sich erste Autoantikörper gegen die eigenen Insulin produzierenden Zellen bilden. Biomarker, die anzeigen, ob und wann das der Fall ist und wie schnell es zu klinischen Symptomen kommt, könnten die Therapie von Risikopatienten deutlich verbessern.

In der aktuellen Studie analysierten Forscher Blutproben von 30 Kindern mit Autoantikörpern, die sehr schnell oder stark verzögert einen Typ-1-Diabetes entwickelt hatten (Diabetologia 2016, online 4. November). Die Daten verglichen sie mit denen von Kindern, die weder Autoantikörper noch Diabetes-Symptome hatten.

Peptide machen den Unterschied

Die Unterschiede in der Proteinzusammensetzung bestätigten die Forscher in einem zweiten Schritt anhand von Proben weiterer 140 Kinder. "Insgesamt konnten wir 41 Peptide von 26 Proteinen bestimmen, die Kinder mit beziehungsweise ohne Autoantikörper voneinander unterscheiden", wird Dr. Christine von Toerne, Abteilung Proteinanalytik, in einer Mitteilung des Helmholtz Zentrums zitiert.

Auffällig war, dass besonders viele dieser Proteine im Zusammenhang mit dem Fettstoffwechsel standen. "Zwei Peptide – aus den Proteinen Apolipoprotein M und Apolipoprotein C-IV – stachen dabei heraus und waren in den beiden Gruppen besonders unterschiedlich ausgeprägt", so von Toerne.

Darüber hinaus war es bei Autoantikörper-positiven Kindern möglich, anhand der Peptidkonzentrationen von drei Proteinen (Hepatozyten-Wachstumsfaktor-Aktivator, Komplement-Faktor-H und Ceruloplasmin) in Kombination mit dem jeweiligen Alter der Kinder die Geschwindigkeit der Diabetesentwicklung besser einzuschätzen.

Biomarker zur Diagnostik wohl nützlich

Die Forscher sind zuversichtlich, dass die gefundenen Proteinsignaturen als Biomarker für die künftige Diagnostik hilfreich sein werden. "Das Fortschreiten von Typ-1-Diabetes zur klinischen Erkrankung erfolgt über einen individuell variablen Zeitraum, der bisher unzureichend einschätzbar ist", wird Professor Anette-G. Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung (IDF) am Helmholtz Zentrum München zitiert.

Ziegler weiter: "Die von uns identifizierten Biomarker erlauben eine genauere Unterteilung dieser Phase vor dem Auftreten von Symptomen und sind durch Blutproben relativ leicht zu gewinnen." (eb)

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