Schädel-Hirn-Traumata schädigen Hypophyse öfter als gedacht

MÜNCHEN (ts). Schädel-Hirn-Verletzungen sind häufig. Das ist bekannt. Noch recht unbekannt ist dagegen, daß Patienten nach zerebralem Trauma deutlich häufiger als bisher angenommen eine Hypophyseninsuffizienz haben. Die Folgen unerkannter neuroendokriner Störungen können erheblich sein. Für den klinischen Alltag bedeutet dies: Bei Patienten mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma sollte bei entsprechenden Symptomen an eine neuroendokrine Störung gedacht und eine notwendige Diagnostik gemacht werden.

Veröffentlicht:

In Deutschland werden pro Jahr von 100 000 Einwohnern 200 bis 300 wegen eines Schädel-Hirn-Traumas stationär behandelt. Meist sind Verkehrsunfälle die Ursache; betroffen sind mit einem Anteil von etwa 70 Prozent überwiegend Männer. Das Durchschnittsalter liegt bei knapp 40 Jahren. Etwa 75 Prozent der Patienten hat nach einem schweren zerebralen Trauma erhebliche neurologische Behinderungen, etwa Lähmungen und Gleichgewichtsstörungen.

Darüber hinaus hätten viele Patienten aber auch ausgeprägte neuropsychologische sowie psychiatrische Störungen, etwa Depressionen, Angst- und Schlafstörungen, Antriebsminderung und gesteigerte Müdigkeit. Das berichtete Dr. Ilonka Kreitschmann-Andermahr bei einer Veranstaltung von Pfizer Pharma in München. Viele dieser Symptome ähneln den Symptomen von erwachsenen Patienten mit Hypophysenvorderlappen-Insuffizienz.

Daß es bei schweren Schädel-Hirn-Verletzungen zu Hypophysen-Schäden kommen kann, ist Pathologen aufgrund von Autopsien seit vielen Jahrzehnten bekannt. Im klinischen Alltag jedoch sieht es anders aus: Denn die endokrin bedingten Symptome können nicht-hormonell bedingten Symptomen des zerebralen Traumas ähneln.

Neue Untersuchungen haben nach Aussage der Neurochirurgin der Uni Aachen jedoch ergeben, daß neuroendokrine Störungen nach Schädel-Hirn-Trauma und auch nach aneurysmatischer Subarachnoidalblutung keine Rarität sind, wie bislang angenommen, sondern häufig: Etwa bei 30 bis 70 Prozent der Patienten wurden solche Störungen entdeckt, etwa eine verminderte Produktion von ACTH (adrenocorticotropes Hormon), von TSH (thyreotropes Hormon) oder auch von Wachstumshormon.

Blieben diese endokrinen Störungen unerkannt und würden die Patienten nicht adäquat behandelt, also mit der Substitution von Hormonen, bedeute dies eine starke Einschränkung, etwa der Rehabilitation und des sozialen sowie beruflichen Lebens, sagte die Neurochirurgin. Da Menschen mit schwerem Schädel-Hirn-Trauma oder zerebraler Aneurysma-Blutung meist vor ihrer Erkrankung noch mitten im Leben standen, haben unerkannte hypophysäre Schäden zudem eine erhebliche volkswirtschaftliche Bedeutung.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Unterschätztes Problem

Häufig Dauerkopfschmerz nach hämorrhagischem Insult

Sozialpsychologie

Wie die erste Schwangerschaft das psychische Wohlbefinden beeinflusst

Urteil zur Substitutionsbehandlung

Methadon-Praxis darf nicht beliebig erweitert werden

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

© Vink Fan / stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg

ADHS im Erwachsenenalter

Wechseljahre und ADHS: Einfluss hormoneller Veränderungen auf Symptomatik und Diagnose

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: MEDICE Arzneimittel Pütter GmbH & Co. KG, Iserlohn
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Rauchverzicht wirkt sich am stärksten auf die Lebenserwartung von Menschen nach Krebserkrankung aus.

© Alpha / stock.adobe.com / Generated with AI

DKFZ

Nach Krebsdiagnose: Gesunder Lebensstil kann großen Unterschied machen

Eine Krankenschwester misst die Temperatur einer älteren Frau mit einem berührungslosen Infrarot-Thermometer.

© amnaj - stock.adobe.com

Bei Senioren

Hypothermie bei Sepsis – ein Warnsignal!