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Screening

Schilddrüsenknoten sind meist unbedenklich

Je älter Menschen werden, desto häufiger haben sie Schilddrüsenknoten. Die Malignität ist allerdings nur gering; ein Screening führt oft zu Überdiagnostik.

Dr. Michael HubertVon Dr. Michael Hubert Veröffentlicht:
Besteht eine Indikation zur Schilddrüsen-Operation, wird heutzutage nicht mehr das ganze Organ entfernt.

Besteht eine Indikation zur Schilddrüsen-Operation, wird heutzutage nicht mehr das ganze Organ entfernt.

© 7activestudio / stock.adobe.com

Mannheim. Wird die Schilddrüse geschallt, finden sich auch Knoten. Das gilt umso mehr, je älter die Patienten sind. Dabei gibt es regionale Unterschiede, sagte Professor Jörg Bojunga. So wiesen in Vorpommern 21 Prozent der 35- bis 44-Jährigen in der Sonographie Schilddrüsenknoten auf, bei den über 75-Jährigen waren es bereits 52 Prozent, so der Internist und Endokrinologe. Im Vergleichskollektiv aus Augsburg lagen die Zahlen bei 41 bzw. 69 Prozent (Eur J Endocrinol 2012; 167: 363-371).

„In 99 Prozent der Fälle sind die Knoten gutartig“, so Bojunga beim Henning-Symposium in Mannheim. Ob und was Screening-Programme bringen, beleuchtete der Internist anhand zweier Studien. So hätte ein Screening-Programm in Südkorea die Diagnose von Schilddrüsen-Karzinomen um das 15-Fache erhöht, einen Einfluss auf die Sterberate durch Schilddrüsenkrebs habe das aber nicht gehabt (N Engl J Med 2014; 371: 1765-1771). Das Programm sei mittlerweile eingestellt worden. Ähnliches habe sich auch in den USA gezeigt: mehr Schilddrüsen-Sono führt zu mehr Diagnosen von Schilddrüsenkrebs.

Screening kann zu Überdiagnostik führen

Für den Endokrinologen sind die Ergebnisse klare Hinweise einer Überdiagnostik. Daher wird in den USA bei asymptomatischen Patienten von einem Screening abgeraten. Und die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie rät von einem Ultraschall-Screening auf Schilddrüsenveränderungen bei Menschen über 60 Jahren ab.

Werde jedoch ein Knoten gefunden, sei es essentiell, die wenigen bösartigen Knoten zu detektieren, sagte Bojunga. Hier habe sich TI-RADS (thyreoid imaging reporting and database system) bewährt, mit dem eine standardisierte Risikoabschätzung möglich sei (Eur Thyroid J 2017; 6: 225-237).

Bei negativer Feinnadelpunktion besteht kein Krebsrisiko

Erfolge nur eine Verlaufsbeobachtung, passiere bei 89 Prozent der Knoten binnen fünf Jahren nichts. Die Krebsrate liege bei nur 0,7 Prozent (JAMA 2015; 313: 926-935). Ähnliche Daten über zehn Jahre gebe es auch aus Deutschland, so der Internist bei der von Sanofi (Henning) unterstützten Veranstaltung. Mit TI-RADS habe die Zahl unnötiger Feinnadelpunktionen um die Hälfte gesenkt werden können. „Und Langzeitdaten zeigen, dass kein Krebsrisiko besteht, wenn die Feinnadelpunktion negativ war“, so Bojunga. Es gehe also um eine korrekte Risiko-Stratifizierung, um den Patienten unnötige Therapien zu ersparen.

Bei diagnostizierter Malignität würden andere Länder bei älteren Patienten mit kleinen Knoten nicht gleich operieren, sondern abwarten. „Worauf warten wir? Darauf, dass der Krebs fortschreitet“, so Bojunga. Dieses Vorgehen sei in Deutschland nicht nur nicht etabliert, sondern den Menschen auch nicht zumutbar. Das Wissen „ich habe Krebs“ führe zu psychischen Belastungen, Schlaf- und Angststörungen, zudem wünschten die betroffenen Patienten eine Operation.

Schilddrüse wird meist nicht ganz entfernt

Besteht eine Indikation zur Operation, werde heutzutage nicht mehr das ganze Organ entfernt, sagte Dr. Christian Vorländer vom Bürgerhospital Frankfurt am Main. So bräuchten in seiner Klinik rund ein Drittel der Patienten nach der Schilddrüsen-Op keine L-Thyroxin-Substitution. Wichtig sei, dass der Eingriff in einem spezialisierten Zentrum erfolge, so der auf endokrine Chirurgie spezialisierte Facharzt. Dann werde das Risiko einer Stimmlippenparese deutlich gesenkt. Vorländer sprach von einer Mindestzahl von 350 Schilddrüsen-Operationen pro Jahr.

In Deutschland erfolge allerdings die Hälfte aller Eingriffe in Einrichtungen mit weniger als einer Schilddrüsen-Op in der Woche. Die in Deutschland zertifizierten Zentren sind im Internet gelistet. „Die Zentren sind dort etwa nach der Postleitzahl sortierbar“, so Vorländer.

Mehr Infos zum Thema unter: www.infoline-schilddruese.de

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