Leberkrebs

"Schlafende" Zellen lassen Tumor wachsen

Defekte Leberzellen sorgen selbst für ihre Beseitigung – Lebertumoren unterlaufen diesen Schutzmechanismus.

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T-Lymphozyten attakieren eine Krebszelle: Lebertumoren setzen die Immunabwehr allerdings gegen den eigenen Körper ein.

T-Lymphozyten attakieren eine Krebszelle: Lebertumoren setzen die Immunabwehr allerdings gegen den eigenen Körper ein.

© Juan Gärtner / fotolia.com

TÜBINGEN. In Leberzellen sorgt ein Schutzmechanismus dafür, dass sie in eine Art Winterschlaf (Seneszenz) fallen, wenn ihre DNA irreparabel geschädigt ist. Der Mechanismus verhindert, dass sich fehlerhafte Zellen unkontrolliert vermehren, teilt die Uniklinik Tübingen mit.

Die Zellen im Ruhestand geben dabei Botenstoffe ab, die Zellen der körpereigenen Abwehr anlocken. Sie lösen damit ihre eigene Zerstörung aus. Forscher haben nun entdeckt, dass über den Botenstoff CCL2 angelockte Zellen essenziell für den Schutz vor der Krebsentstehung sind (Cancer Cell 2016; 30: 533–547).

Tumor nutzt körpereigenen Abwehr-Mechanismus aus

In einem zweiten Schritt konnte das Team zeigen, dass dieser sinnvolle Mechanismus des Immunsystems unterlaufen wird, wenn sich in der Nachbarschaft bereits Krebszellen befinden. Dann nutzt der Tumor den Schutzmechanismus zu seinem Vorteil und behindert damit das gegen ihn arbeitende Immunsystem.

Leberkrebs entsteht bekanntlich meistens im Rahmen von chronischen Lebererkrankungen, in deren Folge sich geschädigte Zellen in der Leber ansammeln können. Häufig findet sich daher bei Patienten mit Leberkrebs neben dem Tumor auch eine hohe Zahl an seneszenten Leberzellen.

Die Forscher stellten fest, dass ein "seneszentes Milieu" bei Leberkrebs-Patienten mit einer schlechteren Prognose assoziiert ist und auch im Mausmodell das Wachstum von Lebertumoren beschleunigen kann.

Immunabwehr wird abgelenkt

Paradoxerweise zeigte sich, dass für diesen Effekt ebenfalls Immunzellen verantwortlich sind, die mithilfe von CCL2 in die Leber gelockt werden, heißt es weiter in der Mitteilung. Unter normalen Umständen nützliche Zellen können unter dem Einfluss eines bereits bestehenden Tumors nicht mehr korrekt ausreifen.

Sie nehmen stattdessen immunsuppressive Eigenschaften an und beeinträchtigen die Funktion anderer Zellen des Immunsystems, den natürliche Killerzelle-Zellen, die normalerweise dabei helfen das Tumorwachstum zu verlangsamen, wenn sich Leberkrebs bereits gebildet hat. (eb)

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