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Schlaganfall: Zeitfenster für Lyse jetzt größer

Von einer Lysetherapie profitieren Schlaganfall- Patienten auch dann noch, wenn das zerebrovaskuläre Ereignis bereits 4,5 Stunden zurückliegt.

Von Wiebke Kathmann Veröffentlicht:

Baden-Baden. Bisher galt für die Lyse ein Zeitfenster von drei Stunden nach dem Schlaganfall. Neuere Studiendaten zeigen, dass auch Patienten profitieren, die binnen viereinhalb Stunden nach dem zerebrovaskulären Ereignis den rekombinanten Tissue Plasminogen Activator (rt-PA) erhalten.

Auf dieses vergrößerte Zeitfenster hat Professor Horst Wiethölter aus Stuttgart bei einem Kongress in Baden-Baden hingewiesen. Zwar nimmt die Zahl der Patienten, die therapiert werden muss, um erfolgreich zu lysieren (Number Needed to Treat), mit der Zeit zu, dennoch bleibt ein klarer Nutzen.

Sind es bis zu 90 Minuten nur vier Patienten, die mit Lyse therapiert werden müssen, um einen Erfolg zu erzielen, nimmt die Zahl zwischen 91 und 180 Minuten auf neun, zwischen 181 und 270 Minuten auf 21 und zwischen 271 und 360 Minuten auf 45 zu. Das wurde anhand der Daten der Studien NINDS*, ECASS I und II** sowie ATLANTIS*** berechnet.

Dennoch unterscheide sich die Odds ratio zum Zeitpunkt drei Stunden nach dem Ereignis kaum von der nach 4,5 Stunden, wie Wiethölter sagte. Sie beträgt 1,5 und 1,4. Daher wurde der Antrag an die Ethikkommission gestellt, das zulässige Zeitfenster zu verlängern. Wie der Neurologe betonte, kann es in bestimmten Fällen selbst noch später sinnvoll sein, eine Lyse zu machen.

Dazu gehören Patienten, bei denen in der Bildgebung mit Stroke-MRT ein Missverhältnis zwischen Penumbra- und Infarktkerngröße gefunden wird. Ist die Penumbra groß, der Infarktkern aber klein, nützt die - dann häufig intraarterielle - Lyse selbst dann, wenn sie erst nach bis zu sechs Stunden gemacht wird. Damit sei Zeit für diese außer den Basismaßnahmen wichtigste Therapieoption gewonnen, so Wiethölter. Seine Klinik zählt zu jenen, die viel Erfahrung hat. Deutschlandweit liegt die Rate der Schlaganfall-Patienten, die lysiert werden, bei fünf Prozent, in Wiethölters Klinik bei gut zwölf Prozent.

* NINDS: National Institute of Neurological Disorders and Stroke

**ECASS: European Cooperative Acute Stroke Study

***ATLANTIS: Alteplase Thrombolysis for Acute Noninterventional Therapy in Ischemic Stroke

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