Direkt zum Inhaltsbereich

Schmerz: Praxisnahe Leitlinien auf dem Plan

Schmerztherapeuten wollen gemeinsam mit der Deutschen Schmerzliga Praxisleitlinien zur Schmerztherapie erstellen. Ziel ist eine bessere Versorgung.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

FRANKFURT AM MAIN. Der "Flut von Leitlinien" auch im Bereich Schmerztherapie, so die Deutsche Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS), will die DGS gemeinsam mit der Deutschen Schmerzliga künftig eigene Praxis-Leitlinien entgegensetzen.

 Sie sollen sich vom Herkömmlichen deutlich unterscheiden. Aktuelle Leitlinien zur Schmerztherapie entsprächen in vieler Hinsicht nicht den praktischen Erfahrungen engagierter Schmerztherapeuten, sagte Privatdozent Michael Überall aus Nürnberg beim Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am Main.

Die Versorgungsrealität habe sich in den vergangenen Jahren nicht verbessert, sondern eher verschlechtert. Überall kritisierte fehlende Transparenz, fehlerhafte Darstellungen und Interpretationen wissenschaftlicher Studien und "eminenzdominierte" Empfehlungen in derzeitigen Leitlinien.

Das soll mit den Praxis-Leitlinien der DGS und der Schmerzliga nun anders werden. Diese sollen praxisnah und rechtssicher sein, hieß es. "Sie sollen helfen, nicht beschränken", betonte Überall. Es dürfte in Leitlinien nicht nur wissenschaftliche Evidenz einfließen, sondern auch die individuellen klinischen Erfahrungen sowie die Erfahrungen und Erwartungen von Schmerzpatienten seien zu berücksichtigen.

 Überall bezog sich mit dieser Aussage ausdrücklich auf den Begründer der evidenzbasierten Medizin, den kanadischen Epidemiologen David L. Sackett.

DGS-Mitglieder werden sich, ähnlich wie in einem offenen Internet-Lexikon, aktiv an den Leitlinien beteiligen können. Die den Empfehlungen zugrunde liegenden Daten sollen online abrufbar sein. Da Patienten in der Apotheke zudem nicht Wirkstoffe ausgehändigt bekommen, sondern Fertigarzneimittel, so Überall, wolle man auch dies berücksichtigen.

Die Erstellung der Leitlinien wird in vier Modulen erfolgen. Zunächst werden Empfehlungen zu einzelnen Wirkstoffen und Medikamenten für bestimmte Indikationen und Behandlungssituationen entwickelt, dann Empfehlungen zu nicht-medikamentösen sowie schließlich zu invasiven Verfahren. Im vierten Modul sollen diese Empfehlungen dann gebündelt und bewertet werden.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Studien CLIMB THAL-111 und -131: Veränderung des Gesamt-Hb-Werts und des HbF-Werts nach Exa-cel-Infusion bei TDT-Patientinnen und -Patienten (Quelle: Locatelli F et al., European Society for Blood and Marrow Transplantation (EBMT) 2026, Madrid, Spanien, Abstract GS2-5)

© Springer Medizin Verlag

Neue Perspektiven bei Hämoglobinopathien

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Vertex Pharmaceuticals (Germany) GmbH, München
Abb.  1: Indikationsübergreifendens Therapie-Monitoring in den ersten Behandlungszyklen mit Ribociclib beim HR+/HER2- Brustkrebs

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1]

Früher und metastasierter HR+/HER2- Brustkrebs

Einfach und konsistent: indikationsübergreifendes Therapie-Management mit Ribociclib

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Beispiele zum Durchklicken

Auffälliges EKG: Was steckt hinter diesen 13 Fällen?

Früherkennung von Geschlechtskrankheiten

Kein Screen & Treat bei mukosalen STI!

Schädel-Hirn-Traumata

Was Kopfbälle für das Demenzrisiko bedeuten

Lesetipps
Ein Blick in die aktuelle Isolationsstudie SOLIS100, die in Zusammenarbeit mit der ESA durchgeführt wird. Sechs Personen sind für 100 Tage in einem Raum isoliert ohne Kontakt nach außen bis auf terminierte Mission-Controll-Telefonate und 30 Minuten Kontakt zu Freunden und Familie pro Woche über Telefon/Videoanruf.

© DLR

Raumfahrtmediziner im Porträt

Jens Jordan – ein Arzt für Weltall und Erde

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer