Schmerzen

Schneckentoxin stoppt starken Schmerz

BERLIN (grue). Zur Behandlung von Patienten mit starken chronischen Schmerzen gibt es jetzt ein nicht-opioides Analgetikum, das in den Rückenmarks-Kanal appliziert wird. Es handelt sich um das synthetisch hergestellte Gift einer Meeresschnecke, das Kalziumkanäle blockiert und damit die Weiterleitung von Schmerzen verhindert.

Veröffentlicht: 18.10.2006, 08:00 Uhr

Das Medikament mit dem Wirkstoff Ziconotid (Prialt®)  ist bei einer Veranstaltung des Unternehmens Eisai zum Schmerzkongreß in Berlin vorgestellt worden.

Das Präparat ist für Patienten mit starken chronischen Schmerzen zugelassen, die eine intrathekale Analgesie benötigen. Dafür wurden bisher Opioide verwendet. Nach Angaben von Professor Michael Zenz aus Bochum reicht das aber bei bis zu 20 Prozent der Patienten nicht aus. "Manche Patienten sprechen auf Opioide nicht an, andere vertragen sie nicht", so Zenz.

Mit Ziconotid gebe es nun nach mehr als 20 Jahren ein neuartiges Schmerzmittel für die kontinuierliche intrathekale Infusion. Das Schneckengift Conotoxin hemmt selektiv die spannungsabhängigen N-Typ-Kalziumkanäle im Hinterhorn des Rückenmarks.

Die Substanz wird als Dauerinfusion über eine Pumpe direkt in den Liquor appliziert. Die schmerzlindernde Wirkung setzt nach vier Tagen ein, danach wird das Medikament sehr langsam über bis zu sechs Monate aufdosiert.

 Linderung beginnt nach vier Tagen.    
   

Das therapeutische Fenster ist klein. Mögliche unerwünschte Wirkungen sind Schwindel, Übelkeit, Verwirrung und Nystagmus. Opioid-typische unerwünschte Wirkungen wie Atemdepression oder Obstipation gibt es bei Ziconotid nicht.

Unerwünschte Wirkungen können durch Dosisreduktion gemildert werden. Die Wirksamkeit wurde in kontrollierten Studien über bis zu drei Wochen geprüft, einzelne Patienten werden seit Jahren mit der Substanz behandelt.

"Dies ist eine besondere Substanz mit einem besonderen Wirkmechanimus, die für Patienten mit therapierefraktären starken Schmerzen eine wirkliche Hilfe sein kann", sagte Zenz. Dies betreffe in Deutschland etwa 100 000 Schmerzpatienten.

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