Direkt zum Inhaltsbereich

Forscherwarnung

Schon bald Tropen-Viren in Europa?

Stechmücken, die tropische Viren übertragen, könnten sich durch den Klimawandel nach Europa ausbreiten. Deutsche Forscher haben dafür zwei Szenarien prognostiziert – und geben wenig Zeit fürs Gegensteuern.

Veröffentlicht:
Eine Asiatische Tigermücke: Sie könnte in Zukunft bis nach Europa vordringen und Viren verbreiten.

Eine Asiatische Tigermücke: Sie könnte in Zukunft bis nach Europa vordringen und Viren verbreiten.

© Henrik Larsson / Fotolia

BAYREUTH. Tropeninfektionen könnten sich im Laufe des 21. Jahrhunderts bis nach Europa ausbreiten. Der Grund: Durch die Erderwärmung breiteten sich bestimmte Mücken von den Tropen bis nach Europa aus. Das ist in der Fachzeitschrift Scientific Reports zu lesen.

Forscher an der Universität Bayreuth und am Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten in Stockholm haben darauf hingewiesen, dass der Klimawandel insbesondere die Verbreitung des Chikungunya-Virus begünstigt. Hauptsächlich übertragen die Asiatische Tigermücke und die Gelbfiebermücke den Erreger.

Die Forscher legten ihrer Analyse zwei verschiedene Szenarien zu Grunde: Einmal prognostizierten sie eine moderate Erderwärmung (plus 2,6 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit) und einmal einen ungebremsten Klimawandel (plus 4,8 Grad).

Bereits im ersten Szenario berechneten die Wissenschaftler zunehmend günstige Voraussetzungen für Chikungunya-Übertragungen. Bei der krasseren Erwärmungsprognose breitete sich das potenzielle Virus-Gebiet spürbar aus: Es könnte in diesem Fall bis in die Länder Südeuropas und in die USA vordringen.

Allerdings sei das Szenario mit der stärkeren Erderwärmung wohl näher an der Wirklichkeit: "Dieses Szenario ist insofern wahrscheinlicher, als bisher keine globalen Strategien erkennbar sind, die den Klimawandel nachhaltig abschwächen würden", erklärte Prof. Carl Beierkuhnlein vom Fachbereich Biogeografie der Uni Bayreuth.

Laut Aussicht könnte sich das Risiko für Chikungunya-Infektionen aber in Indien und an den Südrändern der Sahara sogar abschwächen: Die Lebensbedingungen für Stechmücken könnten hier ungünstig werden. (ajo)

Studiendesign

- Die Forscher analysierten die Daten von Gebieten, die seit langem hohe Infektionsraten mit dem Chikungunya-Virus aufweisen und ermittelten, welche Faktoren die dortigen Klimaverhältnisse bestimmen.

- Die Weltkarte, die das künftige Infektionsrisiko der jeweiligen Länder zeigt, basiert auf maschinellem Lernen, der sogenannten "Maximum-Entropie-Methode".

- Dieser Forschungsansatz wird im Natur- und Artenschutz angewendet, um Modelle für die Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten zu entwickeln.

Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Horst Grünwoldt 23.06.201700:38 Uhr

Tropische Mückenplage?

Wegen der nach wie vor wechselnden Winter- und Sommerzeiten dürfte die Etablierungs/Manifestierung von tropischen Stechmücken bei uns eher unwahrscheinlich sein.
Zur Verbreitung von Tropenkrankheiten über geflügelte, wärmeliebende Vektoren fehlt bei uns in D zumal eine Dichte an Infizierten, die schon das zu übertragende Agens im Blut beherbergen.
Die wenigen aus den Tropen Heimgekehrten mit einer circulierenden Malaria- oder Trypanosomen- Infektion dürften für eine seuchenhafte Verbreitung nicht ausreichen.
Das Gespenst des Klimawandels dürfte dafür aktuell und zukünftig noch nicht greifen, solange wir auf der Nord- und Südhalbkugel wechselnd in unseren geographischen Breiten -außerhalb der Tropenzone- gelegentlich Temperaturen von kleiner 15 Grad Celsius haben.
Das wird wohl die natürliche Zuwanderung/Immigration der wärmeliebenden Plagegeister bis auf weiteres fernhalten.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion von Gilead Sciences beim DÖAK 2025 von links: Dr. Nazifa Qurishi, Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie, Gemeinschaftspraxis Gotenring Köln; Kelly Cavalcanti, HIV-Aktivistin und Referentin für Gesundheit und Empowerment, Köln, und Martin Flörkemeier, Senior Director Public Affairs, Gilead Sciences, München

© Gilead

Unternehmen im Fokus

HIV-Versorgung: Vertrauen in unruhigen Zeiten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hautkrebs

Wie sich das Bräunen im Solarium auf das Melanom-Risiko auswirkt

Lesetipps
Grafik eines übergewichtigen Menschen und einem EKG

© Dr_Microbe/stock.adobe.com

Kardiometabolische Erkrankungen

Adipositas und Vorhofflimmern: Besteht ein direkter Zusammenhang?

Apixaban, ein orales Antikoagulans zur Behandlung und Vorbeugung von Blutgerinnseln sowie zur Vorbeugung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern.

© Soni's / stock.adobe.com

Vergleich bei dreimonatiger Therapie-Zeit

Apixaban vs. Rivaroxaban: Welches DOAK hat das geringere Blutungsrisiko?