Xenotransplantation

Schweineniere wohl an Blutkreislauf hirntoter Patientin angeschlossen

In den USA haben Chirurgen offenbar erfolgreich die Niere eines gentechnisch veränderten Schweins mit dem Blutkreislauf einer hirntoten Frau verbunden – allerdings lediglich für 54 Stunden.

Von Anne BäurleAnne Bäurle Veröffentlicht:
Das New Yorker Transplantationsteam um Dr. Robert Montgomery bei der Operation im September 2021. Die Chirurgen untersuchen eine Schweineniere, die mit dem Blutkreislauf einer hirntoten Frau verbunden ist, nach Zeichen einer Abstoßung.

Das New Yorker Transplantationsteam um Dr. Robert Montgomery bei der Operation im September 2021. Die Chirurgen untersuchen eine Schweineniere, die mit dem Blutkreislauf einer hirntoten Frau verbunden ist, nach Zeichen einer Abstoßung.

© Joe Carrotta / NYU Langone Health / dpa

Neu-Isenburg. Weltweit arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Xenotransplantaten, also an Organen, die zwischen zwei verschiedenen Spezies (beispielsweise vom Schwein auf den Menschen) übertragen werden können, um dem Mangel an Spenderorganen entgegenzuwirken.

Die akute Abstoßungsreaktion artfremder Organe ist dabei nur eine Barriere für eine klinische Transplantation von Xenotransplantaten, auch aus ethischen Gründen stehen derartige Experimente oftmals in der Diskussion.

Niere soll direkt funktioniert haben

Nun hat ein Team um Dr. Robert Montgomery von der New York University offenbar die Niere eines gentechnisch veränderten Schweins über die Beinvene an den Kreislauf einer hirntoten Frau angeschlossen. Angehörige der Frau hatten dem Versuch zuvor zugestimmt.

Allerdings gibt es zu den Ergebnissen der Operation bisher nur Berichte mehrerer US-Medien. Demnach habe die Niere des Schweins unmittelbar nach dem Anschluss an den Blutkreislauf der Frau angefangen zu funktionieren. Auch die Kreatinin-Konzentration habe im normalen Bereich gelegen. Obwohl das Organ nicht in den Körper transplantiert wurde, sei dies ein Hinweis, dass eine Organtransplantation vom Tier in den Menschen möglich sei, wird Montgomery bei der „New York Times“ zitiert.

Der Versuch ist ein weiterer Schritt der Xenotransplantation in die Klinik.

Dr. Joachim Denner, Freie Universität Berlin

Das Schwein („GALSafe“ der Firma Revivicor) war den Berichten nach gentechnisch so verändert worden, dass das Risiko einer Abstoßungsreaktion durch den Organismus der Frau minimal war.

Einen medizinischen Wendepunkt stellt die Operation noch nicht dar, dafür dauerte das Experiment nicht lange genug: lediglich 54 Stunden. Danach beendete das Team den Versuch und beendeten auch die lebenserhaltenden Maßnahmen. Ob eine Transplantation also langfristig möglich ist und das transplantierte Organ vollständig die Funktion eines menschlichen Organs übernehmen kann oder ob es zu Abstoßungsreaktionen kommt, bleibt unklar.

„Die Zeit ist viel zu kurz“

Dennoch sei der Versuch ein weiterer wichtiger Schritt der Xenotransplantation in die Klinik, meint Dr. Joachim Denner, Leiter der Arbeitsgruppe Virussicherheit der Xenotransplantation am Institut für Virologie, Freie Universität Berlin. „Die Schweineniere begann sofort mit der Produktion von Urin, etwas, was bei menschlichen Spendernieren manchmal erst viel später einsetzt. Wenn auch die Beobachtung der funktionierenden Schweineniere nur 54 Stunden erfolgte, eine Zeit, die viel zu kurz ist, um Aussagen zur immunologischen Abstoßung zu treffen, ist dies doch ein Schritt,“ wird Denner in einer Mitteilung des Science Media Centers zitiert.

Weiter merkt der Virologe an, auch zu einer möglichen Übertragung von endogenen Schweineviren auf die hirntote Patientin (ein weiterer wichtiger Risikofaktor bei Xenotransplantationen) erlaube der Versuch kaum Aussagen.

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