Direkt zum Inhaltsbereich

Sechs Maßnahmen zum besseren Schutz der Knochen

Zur Fraktur-Prophylaxe können Patienten viel selbst beitragen. Dazu gehören Kraft- und Koordinationstraining sowie eine gute Versorgung mit Kalzium und Vitamin D. Je nach Frakturrisiko ist auch eine osteoprotektive Medikation erforderlich.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:
Regelmäßiges Krafttraining wirkt der Abnahme der Knochenmasse entgegen.

Regelmäßiges Krafttraining wirkt der Abnahme der Knochenmasse entgegen.

© Klaro

Ob ein Patient mit Osteoporose medikamentös behandelt werden muss oder nicht, hängt entscheidend von seinem 10-Jahres-Frakturrisiko ab. So kann es durchaus sein, dass eine Frau in der Postmenopause mit etwas erniedrigten Knochendichtewerten keine spezifische Osteoporose-Medikation benötigt, weil ihre körperliche Fitness noch gut und die Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr in Ordnung ist und weil auch sonst keine weiteren Risikofaktoren für Frakturen vorliegen.

Risikofaktoren sind etwa die Einnahme von oralen Glukokortikoiden, von Psychopharmaka, Glitazonen oder von Orthostase-auslösenden Medikamenten.

Eine unterschätzte, aber ebenfalls wichtig Maßnahme, um Knochenbrüche zu vermeiden, seien jährliche Kontrollen der Serum-TSH, ergänzt Professor Johannes Pfeilschifter vom Alfried Krupp Krankenhaus in Essen. Denn für TSH-Konzentrationen unter 0,3 mU/l ist ein erhöhtes Frakturrisiko nachgewiesen. Bei Patienten unter L-Thyroxin-Therapie soll daher eine Überdosierung vermieden werden (DMW 2011, 136: 525). Weitere Empfehlungen, um Osteoporose-bedingte Knochenbrüche zu vermeiden sind:

  • Muskelkraft und Koordination mit Training erhalten und verbessern
  • Stürze vermeiden, indem zum Beispiel der Visus geprüft, gutes Schuhwerk getragen und sturzfördernde Medikamente gemieden werden
  • Gegebenenfalls Gehhilfen oder einen Rollator benutzen
  • Durch entsprechende Ernährung und mit Bewegung im Sonnenlicht die Kalzium- und Vitamin-D-Versorgung optimieren
  • Untergewicht und Rauchen vermeiden.

Diese Maßnahmen wirkten rasch und in jedem Alter, so Pfeilschifter. Er warnt aber zugleich: "Sie verlieren ihre Wirkung aber ebenso rasch, wenn sie nicht kontinuierlich umgesetzt werden, da der Knochen ein schlechtes Langzeitgedächtnis hat."

Ab einem 10-Jahres-Frakturrisiko von 30 Prozent wird in der Leitlinie des Dachverbandes Osteologie (DVO) die medikamentöse Behandlung empfohlen. Prinzipiell lasse sich die Indikation anhand rein klinischer Risikofaktoren ohne eine Knochendichtemessung abschätzen, so Pfeilschifter.

Knochendichtemessung berücksichtigen

Allerdings ergeben sich dann offene Fragen hinsichtlich der Therapieeffektivität. Denn es gibt keine Belege dafür, dass die medikamentöse Osteoporosetherapie bei Patienten ohne verminderte Knochendichte die Frakturrate verringern kann. Daher sollte, wann immer möglich, die Knochendichtemessung in die Beurteilung einfließen.

In einer Tabelle der DVO-Leitlinie lässt sich dann in erster Linie anhand der gemessenen T-Werte, des Geschlechts und des Alters ablesen, ob die medikamentöse Therapie angezeigt ist oder nicht.

Außer den verschiedenen Bisphosphonaten, Raloxifen und Strontiumranelat wird die Palette zur Verfügung stehender Arzneimittel ergänzt durch Denosumab, einem monoklonalen Antikörper, der die Osteoklastenbildung hemmt, sowie durch zwei Parathormon-Präparate, die überwiegend den Knochenanbau stimulieren.

Bei verminderter Knochendichte kann damit im Durchschnitt eine Reduktion des Risikos für Wirbelkörperfrakturen um etwa 50 Prozent erwartet werden sowie eine um 20 Prozent verminderte Inzidenz peripherer Frakturen.

Geschlechtsunterschiede beachten

Beachtet werden müssen gewisse Geschlechtsunterschiede bei den Zulassungen. Für Männer mit Osteoporose sind Alendronat, Risedronat, PTH 1-34 und Zoledronat zugelassen.

Und: Postmenopausale Frauen, die primär wegen vasomotorischer Symptome Östrogene erhalten, benötigten in der Regel keine weitere spezifische Osteoporose-Therapie, so Pfeilschifter. Weitere generelle Kriterien für medikamentöse Präferenzen gibt es derzeit nicht.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Rasche Mobilisation entscheidend

Fraktur im Alter: An Delir und Osteoporose denken!

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 1: OS von Patientinnen mit Endometriumkarzinom und Mismatch-Reparatur-Profizienz bzw. Mikrosatellitenstabilität

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Primär fortgeschrittenes/rezidivierendes Endometriumkarzinom

Nachhaltiger Überlebensvorteil durch Immuntherapie plus Carboplatin-Paclitaxel

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Motivierende Gesprächsführung

Wie motiviere ich Patienten mit Depression zu Sport?

Arzt entwickelt MFA-Börse

So finden Praxisinhaber die MFA, die zu ihnen passt

Von DiGA bis Chatbot

Wie Dr. KI die rheumatologische Versorgung verbessert

Lesetipps
Ein Stapel mit vielen Büchern

© Frank Rumpenhorst/dpa

State-of-the-Art

Was in den Praxisempfehlungen und Leitlinien der DDG neu ist

Blick über die Schulter eines Trompeters, der ein Konzert spielt.

© Kitreel / Stock.adobe.com

Vielfalt der Musikermedizin

Ihr Patient ist Musiker? Was dann relevant werden könnte