Solare Desinfektion vermindert die Durchfallrate nicht

Solare Desinfektion von Trinkwasser ist weit verbreitet. Ein Nutzen ließ sich in einer Studie jetzt aber nicht belegen.

Von Ursula Armstrong Veröffentlicht:

BASEL. Solare Desinfektion von verschmutztem Wasser, das in PET-Flaschen der UVA-Strahlung ausgesetzt wird, wirkt im Labor zuverlässig. Doch eine neue randomisierte Studie, die Schweizer Tropenmediziner in ländlichen Gegenden Boliviens gemacht haben, zeigt: Die Diarrhö-Rate von kleinen Kindern ist so nicht zu reduzieren.

Sechs Stunden in der Tropensonne - und verschmutztes Wasser in durchsichtigen PET-Flaschen ist desinfiziert. Denn die UVA-Strahlung tötet pathogene Keime ab (wir berichteten). Mit der Methode SODIS ("solar water disinfection"), solare Trinkwasserdesinfektion), soll die Rate an Durchfallerkrankungen in tropischen und subtropischen Ländern reduziert werden. Viele Hilfsorganisationen propagieren daher die einfache, schnelle und billige Methode.

Doch: "SODIS sollte nicht vorbehaltlos mittels Kampagnen verbreitet werden", warnt der Schweizer Tropenmediziner Dr. Daniel Mäusezahl aus Basel. Er hat zusammen mit Kollegen aus Bolivien und den USA in einer Community-Studie in Bolivien nachgewiesen, dass durch SODIS die Zahl der Durchfallerkrankungen bei Kindern unter fünf Jahren nicht wesentlich reduziert wird (PLoS Med 6 (8): e1000125).

22 Landgemeinden in Bolivien wurden zwei Forschungsarmen zugeteilt. In elf Gemeinden mit insgesamt 225 Haushalten, in denen 376 Kinder unter fünf Jahren lebten, wurde durch eine Hilfsorganisation über die SODIS-Methode aufgeklärt. In den anderen elf Dörfern (200 Haushalte mit 349 Kindern unter fünf Jahren) gab es eine solche Schulung nicht. Ein Jahr lang führten die Mütter täglich Buch über die Gesundheit der Kinder.

Das Ergebnis: In den SODISGemeinden lag die Diarrhö-Inzidenz der jungen Kinder bei 3,6 Episoden pro Jahr, in den Kontroll-Dörfern bei 4,3 Episoden. Dieser Unterschied ist statistisch nicht signifikant. Der Forscher vom Schweizerischen Tropeninstitut räumt allerdings ein, dass die Wirksamkeit von SODIS in dieser Studie möglicherweise unterschätzt wird. Denn obwohl 80 Prozent der Haushalte angaben, verschmutztes Wasser regelmäßig mit SODIS zu desinfizieren, lag die Compliance viel niedriger, nämlich nur bei durchschnittlich 32 Prozent.

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

© David Pereiras | iStock (Symboldbild mit Fotomodell)

Dermatomykosen

Alarmierender Anstieg: Hautpilz aus dem Barbershop

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

© Irina Tiumentseva | iStock

Onychomykosen

Effektive Therapie von Nagelpilz: Canesten® EXTRA Nagelset

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz

Chronisch kranke Kinder

Mangelernährung frühzeitig erkennen und konsequent angehen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Danone Deutschland GmbH, Frankfurt/Main
Abb. 1: Risikoreduktion durch Bempedoinsäure gegenüber Placebo in der CLEAR-Outcomes-Studie für den primären 4-Komponenten-Endpunkt (A) und den sekundären 3-Komponenten-Endpunkt (B) stratifiziert nach Diabetes-Status

© Springer Medizin Verlag

Diabetes mellitus

Bempedoinsäure: Benefit für Hochrisiko-Kollektive

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Daiichi Sankyo Deutschland GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine Person im CT.

© oksanazahray / stock.adobe.com

Risikoadaptiertes Vorgehen

Lungenkrebs-Screening: Nach Rauchstopp erst später ins CT?

Eine Frau hat Schmerzen im Unterbauch aufgrund einer Blasenentzündung und hält sich mit der Hand den unteren Bauch.

© Aleksandr Rybalko / stock.adobe.com

Urogenitale Malignome

Akute Zystitis kann auf künftigen Krebs hinweisen

Spritze zum Impfen mit Schriftzug

© Fiedels / stock.adobe.com

Hotline Impfen

Stellen Sie Ihre Fragen zum Impfen!