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Spanien mit strengem Anti-Raucher-Gesetz

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MADRID (dpa). Spanien hatte als einer der ersten EU-Staaten schon vor fünf Jahren relativ strenge Rauchverbote erlassen, wurde aber bald von anderen Ländern überholt. Nun ziehen die Spanier nach. Rauchen wird in allen Gaststätten verboten.

An Kneipentresen wird kräftig geraucht, in Restaurants zünden Gäste sich nach dem Mahl genüsslich eine "Verdauungszigarette" an. In Spanien ist heute noch gang und gäbe, was in vielen anderen Ländern längst verboten ist.

Während die meisten EU-Staaten den blauen Dunst aus den Gaststätten weitgehend verbannt haben, darf im Ferienland Spanien in vielen Lokalen ohne Einschränkung gequalmt werden. Dies soll jedoch vom kommenden Jahr an anders werden. Dann fällt auch die "Raucherbastion" Spanien.

Das Madrider Parlament verabschiedete ein neues Anti-Tabak-Gesetz, das strenger ist als die Regelungen in den meisten anderen Staaten Europas. Künftig ist Rauchen in allen Gaststätten und Restaurants verboten. Es darf keine Raucherkneipen mehr geben, und die Lokale dürfen auch keine getrennten Raucherzimmer einrichten. Sogar Rauchen unter freiem Himmel wird eingeschränkt.

So wird Qualmen auf Kinderspielplätzen, Schulhöfen und auf dem Gelände von Krankenhäusern untersagt. In Straßen- und Gartenlokalen wird Tabakgenuss im Freien nur dann erlaubt, wenn die Sitzflächen nicht überdacht und nicht mit Stellwänden abgeschirmt sind. Das neue Gesetz muss noch vom Senat (Oberhaus des Parlaments) bewilligt werden und soll am 2. Januar 2011 in Kraft treten.

Es sieht generell Rauchverbot in allen geschlossenen und öffentlich zugänglichen Räumen vor. Die Raucherecken auf den spanischen Flughäfen müssen dann verschwinden. Das Fernsehen darf künftig keine Sendungen ausstrahlen, in denen rauchende Moderatoren oder Studiogäste zu sehen sind.

Die Gefängnisse, psychiatrischen Anstalten und Altenheime sollen von dieser Regelung ausgenommen werden. Dort sollen Raucherräume eingerichtet werden. Die Hotels dürfen bis zu 30 Prozent ihrer Quartiere als Raucherzimmer vermieten.

Spanien hatte schon vor fünf Jahren - früher als viele andere EU- Länder - relativ strenge Rauchverbote erlassen; das Land wollte sich nicht länger als das "Raucherabteil Europas" bezeichnen lassen.

Seit Anfang 2006 ist in Spanien Tabakgenuss an Arbeitsplätzen, auf Bahnhöfen, in Zügen und Flugzeugen generell untersagt. In den Gaststätten konnten die Wirte bislang in der Regel selbst entscheiden, ob sie den blauen Dunst zuließen oder nicht. Das Resultat: In 89 Prozent der 350 000 Gaststätten darf gequalmt werden, nur 11 Prozent wurden zu Nichtraucher-Lokalen erklärt.

Die Regierung musste feststellen, dass das bisherige Anti-Tabak- Gesetz die gesteckten Ziele nicht erreichte. Der Zigarettenkonsum nahm sogar zu. Der Anteil der Raucher an der Bevölkerung (der über 16-Jährigen) in Spanien ist mit 35 Prozent einer der höchsten in der EU.

Das Gesundheitsministerium begründete die drastische Verschärfung der bisherigen Rauchverbote damit, dass im Jahr 60 000 Spanier an den Folgen des Tabakgenusses sterben, darunter 1500 Passivraucher. Dagegen befürchten die Gastwirte von der Neuregelung katastrophale Folgen für ihre Branche, die immerhin sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Nach Angaben des Gaststättenverbandes FEHR droht den Lokalen ein Umsatzrückgang von zehn Prozent und der Verlust von 140 000 Arbeitsplätzen.

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