Ernährungsmedizin

Spaß an Bewegung und Sport trotz Adipositas

Nur mit Diät und Bewegung schaffen es Adipöse auf Dauer erfolgreich abzuspecken. Das Schulungsprogramm M.O.B.I.L.I.S. unterstützt sie dabei.

Veröffentlicht:
Ein Ziel von M.O.B.I.L.I.S.: Die Teilnehmer sollen wieder Freude an sportlichen Aktivitäten gewinnen.

Ein Ziel von M.O.B.I.L.I.S.: Die Teilnehmer sollen wieder Freude an sportlichen Aktivitäten gewinnen.

© Foto: Sascha Schuermann/ddp

Um viele Kilo erleichtert fühlt sich ein ehemals stark Übergewichtiger nach Teilnahme am Schulungsprogramm M.O.B.I.L.I.S. und "so stark wie nie zuvor". Der Mannheimer hat das Konzept in sein Leben integriert, mehr als 30 Kilo abgenommen und seither wieder Spaß an der Bewegung.

Genau darauf zielt das Programm für Erwachsene mit einem BMI zwischen 30 und 40 kg/m2. Sie sollen dazu bewegt werden, wieder ein aktives Leben zu führen. Neben der Bewegung geht es darum, die Ernährung umzustellen und den Lebensstil zu ändern. Dafür werden die Abnehmwilligen von einem Team aus Sporttherapeuten, Ernährungsberatern, Psychologen und Ärzten über ein Jahr begleitet. In über 200 Gruppen wurde und wird das Programm, das vom Universitätsklinikum Freiburg gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln entwickelt wurde, seit dem bundesweiten Start im Jahre 2005 umgesetzt - mit Erfolg.

Im Schnitt verlieren die Teilnehmer in einem Jahr sechs bis sieben Kilogramm, ein Fünftel schafft mehr als das Doppelte. Der Bauchumfang reduziert sich im Mittel um sieben Zentimeter, das entspricht zwei bis drei Kleidergrößen weniger.

Die meisten nehmen sechs bis sieben Kilo in einem Jahr ab

Der geringere Teil hält nicht durch, nimmt nicht ab, manchmal sogar zu. Nur 14 Prozent steigen ganz aus. Die meisten, die abgenommen haben, halten ihr reduziertes Gewicht auch noch nach zwei Jahren, ergab eine Teilnehmerbefragung.

Bewegung steht im Vordergrund des Konzepts. Das wöchentliche Sportprogramm findet abwechselnd im Freien oder in der Halle statt. Ausdauer- und Krafttraining ergänzen sich, wobei ohne aufwändige Geräte trainiert wird. "Der eigene Körper und ein Theraband genügen", sagt M.O.B.I.L.I.S.-Geschäftsführer Andreas Berg aus Freiburg. Dreimal pro Woche sollten die Übungen zu Hause absolviert werden. Mindestens eine zusätzliche "Outdooraktivität" wie Walking wird nahegelegt. Ziel der einjährigen Schulung sei es, den eigenen sportlichen Weg zu finden, so Berg. Dazu gehört auch die Bewegung im Alltag wie Treppensteigen, Fahrradfahren und Gartenarbeit.

Das Ernährungsprogramm verzichtet auf vorgegebene Diätpläne und beschränkt sich auf fünf Empfehlungen: nicht mehr als 60 Gramm Fett pro Tag, Umstellung auf langsam verfügbare Kohlenhydrate, fünf Portionen Gemüse und Obst, zwei Liter energiearme Getränke und die Einhaltung von drei Mahlzeiten.

Um dies alles in den Alltag umzusetzen, wird die Gruppe verhaltenstherapeutisch begleitet. Im ersten halben Jahr sind neben 34 Bewegungseinheiten 13 Gruppensitzungen angesetzt. Nach einem halben Jahr wird Zwischenbilanz gezogen und die Teilnehmer sollen versuchen, das Gelernte in den Alltag zu integrieren. Anschließend findet nur noch alle drei bis vier Wochen eine Sitzung statt.

Die Gruppe habe sowohl eine entlastende als auch bestärkende Funktion, sagt die ärztliche M.O.B.I.L.I.S.-Betreuerin Dr. Helena Keilmann von der Rehaklinik Heidelberg-Königsstuhl. Sie sei immer wieder beeindruckt, wie schnell sich die körperliche Leistungsfähigkeit mit den schwindenden Pfunden auch bei stark Übergewichtigen steigern lässt, was sich in besseren Blutwerten und sinkendem Blutdruck niederschlage. Drei medizinische Untersuchungen mit Anamnese, Blutwerten und Belastungs-EKG werden am Anfang, in der Mitte und am Schluss des Programms durchgeführt.

Die Teilnehmer - davon sind 77 Prozent Frauen - bekunden vor allem die (wieder)gewonnene Freude an der Bewegung. Besonders erfolgreich sind häufig die über 60-Jährigen. Berg zufolge haben sie wohl eher die Zeit, sich auf das Programm zu konzentrieren und es in ihrem Alltag umzusetzen. (bd)

Weitere Infos unter 07 61 50 39 10 und www.mobilis-programme.de

Lesen Sie dazu auch: Essen für mehr Leistung Erfolg dank Anorexie? Auf die Zusammensetzung kommt es an Doping-Gefahr auch durch Lebensmittel

Mehr zum Thema

Martin-Kolumne

Warum Sport dick machen kann

6. November

Aktionstag klärt auf: Krank durch Ernährung?

Ernährung als Prävention

Milchprodukte bewahrten Heimbewohner wohl vor Frakturen

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
„Zweiklassenmedizin“ aus Infektionsschutzgründen? Separieren dürfen Kassenärzte ungeimpfte Patienten. Ablehnen dürfen sie sie nicht.

© Dwi Anoraganingrum / Geisler-Fotopress / picture alliance

Gastbeitrag von zwei Anwälten

3G-Regel in der Arztpraxis birgt rechtliche Gefahren

Was passiert in der Niere? Wie werden Laborbefunde, die den Verdacht auf eine Nierenerkrankung aufkommen lassen, richtig interpretiert? Bei der practica gab‘s Tipps.

© Peakstock / stock.adobe.com

Tipps von Kollegen

Welcher chronisch Nierenkranke muss zum Nephrologen?