Spezifische Immuntherapie auch gegen Neurodermitis?

DAVOS (sto). Eine spezifische Immuntherapie (SIT) gegen Hausstaubmilben wirkt auch bei Neurodermitis. Entgegen der Lehrbuchmeinung führt sie nicht zu einer Verstärkung der Symptome der atopischen Dermatitis.

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"Damit eröffnen sich ganz neue Behandlungsoptionen", so Professor Alexander Kapp von der Dermatologischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). In einer von Kapp geleiteten Multicenterstudie wurden 79 erwachsene Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis, die außerdem gegen Hausstaubmilben sensibilisiert waren, in drei Gruppen eingeteilt. Sie erhielten eine wöchentliche subkutane SIT mit hochgereinigtem Milbenextrakt.

Die erste Gruppe erhielt lediglich 20 SQ-Einheiten und wurde deshalb als "Aktiv-Placebogruppe" bezeichnet. Das Kürzel bedeutet "standardisierte Qualität": die SQ-Einheiten korrelieren mit der absoluten Menge an Hauptallergenen.

In der zweiten Gruppe wurden die Patienten mit 2000 und in der dritten mit 20 000 SQ-Einheiten behandelt, wie Kapp beim 21. Fortbildungskongreß "Fortschritte der Allergologie, Immunologie und Dermatologie" in Davos berichtet hat. Bereits nach vier Wochen und bis zum Ende des einjährigen Studienzeitraums hatte sich der Zustand der Haut in den beiden Hochdosisgruppen stärker verbessert als in der Vergleichsgruppe.

Bei den Patienten, die mit 20 000 SQ-Einheiten des Milbenextraktes behandelt worden waren, verbesserte sich der SCORAD (SCORing Atopic Dermatitis) - ein etabliertes Instrument zur Beurteilung der Krankheitsschwere - um 25 Prozent. Außerdem benötigten die Patienten in den beiden Hochdosisgruppen deutlich weniger topische Glukokortikoide und weniger Antihistaminika.

Alle bisherigen Bedenken, eine SIT könnte Symptome einer atopischen Dermatitis verstärken, seien zumindest für die Therapie mit dem untersuchten Milbenextrakt damit vom Tisch, so Kapp. Ob die Hyposensibilisierung tatsächlich eine Option zur Therapie bei atopischer Dermatitis ist, soll nun in einer weiteren Studie mit praxisgängigen Allergenkonzentrationen und Therapieschemata geprüft werden. Für eine generelle Empfehlung sei es noch zu früh.

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