Kommentar zu Lebenszeitkalkulator

Sterben mit Ansage

Der Pragmatismus, mit dem kanadische Forscher Web-basiert den Tod gebrechlicher alter Menschen berechnen, wirkt zunächst verstörend. Doch es wäre wünschenswert, dass ihre Studie auch in Deutschland ein Echo auslöst.

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

Mit einem scharfen Skalpell in geübter Hand lässt sich viel Gutes bewirken und in weniger geübten oder gar falschen Händen ein Desaster anrichten. Der Pragmatismus, mit dem kanadische Wissenschaftler Web-basiert den Tod gebrechlicher alter Menschen berechnen, wirkt auf den ersten Blick verstörend.

Doch wäre es wünschenswert, wenn die dahinterstehende, aufwändige Studie auch in Deutschland ein Echo auslösen würde. Womöglich bereichert ja so ein Online-Rechner das Instrumentarium von jenen, die sich in humanistischem Sinne mit Tod und Sterben auseinandersetzen.

Deutschland hat dasselbe Problem

Denn das Problem, das die Kanadier haben, ist dasselbe wie in Deutschland: Die vorausschauende Pflegeplanung und die palliativmedizinische Versorgung alter, chronisch kranker Menschen ist unzureichend. Wenn überhaupt, wird sie oft viel zu spät in Anspruch genommen.

Also: Lasst uns übers Sterben reden und über Instrumente, die ein würdevolles Sterben ermöglichen können. Denn das ist etwas, das sich jeder für den letzten und unausweichlichen Weg wünscht. Der Zeitpunkt für eine solche Diskussion ist Demografie- und Pandemie-bedingt ideal, der Handlungsdruck enorm. Und was die Nutzung eines Sterberisiko-Rechners angeht: Ein Chirurg operiert ja auch nicht nur mit Skalpell.

Schreiben Sie dem Autor: med@springer.com

Lesen sie auch
Mehr zum Thema

Regelmäßig screenen!

Altern mit HIV: Risikofaktoren und Komorbiditäten

Klinikerweiterung

Hamburg bekommt neues Geriatrie-Zentrum

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Viele positive Reaktionen auf Karl Lauterbachs Nominierung zum Bundesgesundheitsminister. Aber auch große Erwartungen.

© Michael Kappeler/dpa

Gesundheitsfachleute zum neuen Gesundheitsminister

„Wir als Ärzteschaft wissen, was wir an Lauterbach haben“

Scholz bringt Wissenschaft gegen Populismus in Stellung

© Michaela Illian

Leitartikel zum neuen Gesundheitsminister

Scholz bringt Wissenschaft gegen Populismus in Stellung