Herzinfarkt

Stiefkind Nachsorge?

Wer heute in Deutschland einen Herzinfarkt erleidet überlebt länger als früher. Soweit die gute Nachricht. Doch im internationalen Vergleich ist die Republik kein Musterknabe. Womöglich liegt es an der unzureichenden Sekundärprävention.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Herzschutz auch nach dem Infarkt: Nicht immer läuft die Sekundärprävention so, wie sie soll.

Herzschutz auch nach dem Infarkt: Nicht immer läuft die Sekundärprävention so, wie sie soll.

© Jakub Krechowicz / shutterstock.com

BERLIN. In Deutschland ist das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, höher als in Frankreich, den Niederlanden oder England. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren einer Bestandsaufnahme der Versorgung von Menschen mit Akutem Koronarsyndrom (ACS).

Seit den 80er-Jahren sei die Sterblichkeit bei der Diagnose Herzinfarkt in Deutschland um 60 Prozent zurückgegangen, stellte der Leiter des Berliner IGES-Instituts Professor Bertram Häussler fest.

Auf 100.000 Männer starben 1980 noch 247 an ischämischen Herzkrankheiten, 2008 seien es 99 gewesen. Die Sterblichkeit sinke allerdings langsamer als in vergleichbaren europäischen Ländern. Als Ursache machte Häussler die im Zeitverlauf an Intensität nachlassende Nachbehandlung der Infarkte aus.

"Je länger das akute Koronarsyndrom zurückliegt, desto stärker nimmt das ärztliche Monitoring ab", bestätigte Professor Uwe Zeymer, Leitender Oberarzt am Klinikum der Stadt Ludwigshafen diese These. Nach einem Jahr nähmen nur noch 20 Prozent alle fünf laut Leitlinie vorgeschriebenen Medikamente.

Probleme auch bei der Vorsorge

Neuere Präparate mit attestiertem Zusatznutzen hätten sich in der medikamentösen Therapie noch nicht durchgesetzt. Patientenleitpfade zur Optimierung der medikamentösen und nicht-medikamentösen Sekundärprävention seien sinnvoll, um die Prognose der ACS-Patienten zu verbessern.

Defizite erkennen die Autoren des "Weißbuch Herz - Versorgung des Akuten Koronarsyndroms in Deutschland" auch bei der Primärprävention. Weniger als die Hälfte der anspruchsberechtigten gesetzlich Versicherten nähmen an den Check-up*35-Untersuchungen teil, sagte Hans Holger Bleß vom IGES-Institut.

Nicht alle Ärzte hielten die Vorsorgeuntersuchung für effektiv. Hier gebe es Handlungsbedarf, sagte Bleß. Der Check-up solle an verschiedene Altersstufen angepasst werden. Zudem untersuchten die Ärzte ihre Patienten zu selten gezielt auf die Risiken koronarer Herzerkrankungen hin.

Die Kosten für ischämische Krankheiten beliefen sich ausweislich der Studie 2008 auf 6,2 Milliarden Euro, davon 1,85 Milliarden Euro für Myokardinfarkte.

Das "Weißbuch Herz" ist im Auftrag von Astra Zeneca entstanden und im Thieme Verlag erschienen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Systematisches Review mit Metaanalyse

Psychische Probleme wohl mit akutem Koronarsyndrom assoziiert

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Das könnte Sie auch interessieren
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1-- Zeit bis zum ersten Ereignis (Tod durch jegliche Ursache oder kardiovaskuläres Ereignisb) in der Gesamtpopulation (a) bzw. in der Monotherapie-Population (b).

© Springer Medizin Verlag

Mit Vutrisiran früh kausal behandeln

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alnylam Germany GmbH, München
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Mann im Hintergrund nimmt einen Schluck von einem Drink. Im Vordergrund stehen vier Flaschen mit alkoholischen Getränken.

© Axel Bueckert / stock.adobe.com

Analyse des Trinkverhaltens

Wie lebenslanger Alkoholkonsum das Darmkrebsrisiko steigert