Skelett- & Weichteilkrankheiten

Strahlentherapie gegen Fersensporn

Strahlen sind nicht nur etwas gegen Krebserkrankungen. Auch Knochenauswüchse an der Ferse lassen sich per Strahlentherapie bekämpfen. Die Ansprechraten bei Patienten mit einem Fersensporn sind hoch.

Veröffentlicht: 07.12.2011, 09:38 Uhr

BERLIN (eb). Eine Strahlentherapie kommt meist bei Krebserkrankungen zum Einsatz. In Deutschland erhalten aber jährlich auch über 40.000 Patienten mit gutartigen Erkrankungen eine Strahlentherapie.

Dies entspricht 10 bis 20 Prozent aller Bestrahlungen und betrifft vor allem entzündliche Weichteil-, degenerative Gelenk- sowie Bindegewebserkrankungen wie Arthrose, Fersensporn, Tennisellenbogen, aber auch gutartige Gefäßgeschwülste.

Die verwendete Strahlendosis ist geringer als in der Krebstherapie, der Behandlungserfolg hoch. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer aktuellen Studie zur Behandlung des schmerzhaften Fersensporns hin.

Ein Fersensporn ist ein dornartiger Knochenauswuchs an der Ferse. Durch Mikroverletzungen des Gewebes, aufgrund von Über- und Fehlbelastungen wie Fußfehlstellungen oder Übergewicht, lagert sich Knochenmaterial am Sehnenansatz ein.

Schmerzen bei fehlender Belastung

Etwa zehn Prozent der Bevölkerung leiden an einem Fersensporn - häufig ohne Beschwerden. Wird der Bereich des verknöcherten Sehnenansatzes gereizt, kann es jedoch zu Entzündungen kommen. Dies ist oft mit großen Schmerzen und Problemen beim Gehen verbunden.

Die Schmerzen werden besonders spürbar, wenn der Fuß länger nicht belastet wird. Die typischen Schmerzen morgens nach dem Aufstehen sind dafür ein Beispiel, wie die DEGRO mitteilt.

Zur Behandlung des Fersensporns erhalten die Patienten in der Regel orthopädische Einlagen und Krankengymnastik. Eine Operation kommt nur in seltenen Fällen infrage.

Eine sichere und sehr wirksame Methode, die Schmerzen zu lindern, ist die sogenannte Schmerzbestrahlung. "Mit der Strahlentherapie steht uns ein sehr wirksames und sicheres Behandlungsverfahren zur Verfügung. Die Ansprechraten sind mit 70 bis 100 Prozent besonders hoch", wird Privatdozent Oliver Micke vom Franziskus Hospital in Bielefeld, Initiator der Studie zur Effektivität der Radiatio beim schmerzhaften Fersensporn in der Mitteilung zitiert.

6 Gray auf den Sporn

An der Studie nahmen - aufgeteilt auf zwei Studienarme - 66 Patienten teil. Bestrahlt wurde zweimal pro Woche mit einer Standarddosis von 6 Gray (Gy) und einer sehr niedrigen Dosis von 0,6 Gy über einen Zeitraum von drei Wochen.

Die Forscher konnten nach einem Gesamtzeitraum von 12 Monaten nachweisen, dass die Standarddosis von 6 Gy - immer noch eine sehr geringe Dosis - die Schmerzen erheblich wirksamer und länger eindämmt als die niedrigere Dosis.

Zudem sei die Methode praktisch frei von akuten Nebenwirkungen und Strahlenspätfolgen, so Micke, der auch stellvertretender Vorsitzender in der DEGRO-Arbeitsgemeinschaft "Gutartige Erkrankungen" ist.

"Die Bestrahlung kommt für Fersensporn-Patienten infrage, bei denen die konventionelle Therapie und auch die Gabe von Schmerzmitteln nicht geholfen haben", wird Professor Jürgen Dunst, DEGRO-Präsident und Direktor der Klinik für Strahlentherapie an der Uni Lübeck zitiert.

Aber man sollte nicht zu lange warten: Je früher bestrahlt werde, umso größer sei der Behandlungserfolg. Die Therapie sei kurz, wenig planungsintensiv und sehr wirksam.

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