Schilddrüsen-Erkrankungen

Subklinische Hyperthyreose schlägt auf das Herz

BERLIN (gvg). Wie relevant ist eine subklinische Hyperthyreose? Neue Untersuchungen belegen zunehmend, dass zumindest das Herz in Mitleidenschaft gezogen wird, etwa durch Zunahme der linksventrikulären Masse. Die Veränderungen sind jedoch zum Teil reversibel, wenn durch eine Behandlung die supprimierten TSH-Werte wieder in den Bereich der Norm gebracht werden.

Veröffentlicht: 21.05.2007, 08:00 Uhr

Ob Patienten mit subklinischer Hyperthyreose behandelt werden sollten oder nicht, darüber gingen die Meinungen lange auseinander. "Mittlerweile zeigt eine wachsende Zahl von Untersuchungen, dass bereits die subklinische Hyperthyreose mit kardiovaskulären Veränderungen assoziiert ist", betonte der Endokrinologe Professor Bruno Allolio von der Universitätsklinik Würzburg.

Solide Daten lieferte etwa kürzlich eine prospektive Studie, an der 3233 über 64-jährige US-Amerikaner teilnahmen. Sie wurden bis zu 13 Jahre lang nachbeobachtet. "Probanden mit subklinischer Hyperthyreose hatten dabei ein doppelt so hohes Risiko, Vorhofflimmern zu entwickeln wie jene mit normaler Schilddrüsenfunktion", sagte Allolio bei der Veranstaltung Praxis Update Allgemeinmedizin in Berlin. Keine signifikanten Unterschiede gab es bei der Inzidenz von KHK oder Schlaganfall sowie in der Gesamtsterblichkeit.

Allolio stellte in Berlin eine weitere Studie aus Holland mit Patienten vor, die zehn Jahre zuvor wegen eines Schilddrüsenkarzinoms behandelt worden waren und seitdem Schilddrüsenhormone erhielten. Die langjährige Therapie hatte - wie nach Schilddrüsen-Krebs gewünscht - bei diesen Patienten eine Suppression des TSH, also eine subklinische Hyperthyreose bewirkt.

Echokardiografisch war bei allen Teilnehmern zu Studienbeginn eine eingeschränkte diastolische Funktion des Herzens nachweisbar, und die Masse der linken Herzkammer war erhöht. Durch eine Reduktion der Hormon-Dosis wurde der zuvor therapeutisch supprimierte TSH-Wert in euthyreote Bereiche angehoben. Das wirkte sich auf das Herz aus: "Nach sechs Monaten modifizierter Behandlung mit euthyreoter Stoffwechsellage waren die Veränderungen zumindest teilweise reversibel", so Allolio. Auch diese Studie liefere also Belege, dass Patienten mit subklinischer Hyperthyreose von einer Therapie zumindest kardial profitieren könnten. Was fehle, seien prospektive Interventionsstudien, die einen Therapie-Effekt unmittelbar belegten, so Allolio.



STICHWORT

Subklinische Hyperthyreose

Bei subklinischer Hyperthyreose liegt der TSH-Wert unter 0,3 mU/l. Die freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 sind aber noch normal. Die häufigsten Ursachen für latente Funktionsstörungen sind Schilddrüsen-Autonomien und Morbus Basedow. Etwa fünf Prozent der subklinischen Hyperthyreosen gehen pro Jahr in eine manifeste Hyperthyreose über. (gvg)

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