Direkt zum Inhaltsbereich

Subklinische Hyperthyreose schlägt auf das Herz

BERLIN (gvg). Wie relevant ist eine subklinische Hyperthyreose? Neue Untersuchungen belegen zunehmend, dass zumindest das Herz in Mitleidenschaft gezogen wird, etwa durch Zunahme der linksventrikulären Masse. Die Veränderungen sind jedoch zum Teil reversibel, wenn durch eine Behandlung die supprimierten TSH-Werte wieder in den Bereich der Norm gebracht werden.

Veröffentlicht:

Ob Patienten mit subklinischer Hyperthyreose behandelt werden sollten oder nicht, darüber gingen die Meinungen lange auseinander. "Mittlerweile zeigt eine wachsende Zahl von Untersuchungen, dass bereits die subklinische Hyperthyreose mit kardiovaskulären Veränderungen assoziiert ist", betonte der Endokrinologe Professor Bruno Allolio von der Universitätsklinik Würzburg.

Solide Daten lieferte etwa kürzlich eine prospektive Studie, an der 3233 über 64-jährige US-Amerikaner teilnahmen. Sie wurden bis zu 13 Jahre lang nachbeobachtet. "Probanden mit subklinischer Hyperthyreose hatten dabei ein doppelt so hohes Risiko, Vorhofflimmern zu entwickeln wie jene mit normaler Schilddrüsenfunktion", sagte Allolio bei der Veranstaltung Praxis Update Allgemeinmedizin in Berlin. Keine signifikanten Unterschiede gab es bei der Inzidenz von KHK oder Schlaganfall sowie in der Gesamtsterblichkeit.

Allolio stellte in Berlin eine weitere Studie aus Holland mit Patienten vor, die zehn Jahre zuvor wegen eines Schilddrüsenkarzinoms behandelt worden waren und seitdem Schilddrüsenhormone erhielten. Die langjährige Therapie hatte - wie nach Schilddrüsen-Krebs gewünscht - bei diesen Patienten eine Suppression des TSH, also eine subklinische Hyperthyreose bewirkt.

Echokardiografisch war bei allen Teilnehmern zu Studienbeginn eine eingeschränkte diastolische Funktion des Herzens nachweisbar, und die Masse der linken Herzkammer war erhöht. Durch eine Reduktion der Hormon-Dosis wurde der zuvor therapeutisch supprimierte TSH-Wert in euthyreote Bereiche angehoben. Das wirkte sich auf das Herz aus: "Nach sechs Monaten modifizierter Behandlung mit euthyreoter Stoffwechsellage waren die Veränderungen zumindest teilweise reversibel", so Allolio. Auch diese Studie liefere also Belege, dass Patienten mit subklinischer Hyperthyreose von einer Therapie zumindest kardial profitieren könnten. Was fehle, seien prospektive Interventionsstudien, die einen Therapie-Effekt unmittelbar belegten, so Allolio.



STICHWORT

Subklinische Hyperthyreose

Bei subklinischer Hyperthyreose liegt der TSH-Wert unter 0,3 mU/l. Die freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 sind aber noch normal. Die häufigsten Ursachen für latente Funktionsstörungen sind Schilddrüsen-Autonomien und Morbus Basedow. Etwa fünf Prozent der subklinischen Hyperthyreosen gehen pro Jahr in eine manifeste Hyperthyreose über. (gvg)

Mehr zum Thema

DEGAM-Leitlinie

So sollten Sie bei Schilddrüsenknoten vorgehen

Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Insomnie

Wie sich schlechter Schlaf auf Schmerzen auswirkt

Lesetipps
Nahaufnahme einer männliche Hand, die die Tagesdosen an Vitaminen, Medikamenten, Tabletten und Nahrungsergänzungsmitteln in eine Tablettenbox füllt.

© eliosdnepr / stock.adobe.com

NAKO-Studie

Jeder Vierte erhält offenbar mindestens ein inadäquates Medikament im Alter