TNFa -Antikörper - Option bei therapierefraktärem M. Crohn

Veröffentlicht:

HAMBURG (nke). Bei etwa einem Viertel der Patienten mit Morbus Crohn gelingt es bisher nicht, die Erkrankung einzudämmen und langfristig zu beherrschen. Mögliche Gründe: Betroffene sprechen etwa auf Steroide nicht an, oder sie vertragen Immunsuppressiva nicht. Dann sind die neuen TNFa -Antikörper eine Alternative.

Ein Problem bei einem Teil der Patienten mit Morbus Crohn ist die Steroidabhängigkeit. Das heißt: Ein Ausschleichen der Steroiddosis auf unter 10 mg ist nicht möglich, weil es dann zu erneuten Schüben kommt. Zur Dauertherapie sind Steroide aber wegen unerwünschter systemischer Langzeiteffekte nicht geeignet. Daran erinnerte Professor Stefan Schreiber von der Kieler Universitätsklinik bei einer Veranstaltung in Hamburg.

Bei schweren Krankheitsverläufen sei eine Langzeittherapie mit Immunsuppressiva wie Azathioprin zur Rezidivprophylaxe derzeit Standard. Darauf wies Professor Peter Layer vom Israelitischen Krankenhaus Hamburg hin. Damit könne die Rezidivrate halbiert und das Steroid abgesetzt oder zumindest die Dosis verringert werden. "Man darf aber Azathioprin nicht unterdosieren", so Layer bei der Veranstaltung von Abbott. "Wenn man es gibt, muss man mindestens 2 bis 2,5 mg pro Kilogramm Körpergewicht geben." Und es könne manchmal Monate dauern, bis die Wirkung eintrete. Wenn ein schneller Wirkungseintritt notwendig ist oder die Immunsuppressiva nicht vertragen werden, sollten die neuen Anti-TNF-Medikamente eingesetzt werden.

"Der TNFa -Antikörper Adalimumab (Humira®) ist strukturell identisch zu dem natürlich vorkommenden menschlichen Antikörper", sagte Schreiber. Es sei daher unwahrscheinlich, dass er eine Immunantwort auslöse. Die begleitende Therapie mit einem Immunsuppressivum sei daher nicht nötig. "Es gibt mehrere Hinweise, dass es die gleichzeitige Anwendung von Azathioprin, Kortikoiden und Anti-TNFa -Therapie ist, die die Nebenwirkungen verursacht. Wir müssen davon weg und hin zu Monotherapien, egal ob es Azathioprin ist oder der TNFa -Antikörper."

In den Zulassungsstudien sprachen etwa 60 Prozent der Patienten auf Adalimumab innerhalb von vier Wochen an. Bei einem Teil der Patienten kam es sofort zur Remission, bei anderen klangen die Symptome langsamer ab. Zudem kann es mit dem TNFa -Antikörper auch zu einem anhaltenden Verschluss von Darmfisteln kommen. Auch Patienten, die bereits mit einem anderen TNFa -Antikörper behandelt waren, sprachen auf Adalimumab an.

Es gibt Patienten, bei denen die Anti-TNFa -Therapie möglicherweise nicht hilft, wie Schreiber sagte. "Entweder, weil sie keine Entzündung haben, oder weil sie einen anderen Entzündungsmechanismus haben. TNFa -Antikörper sind nicht das Wundermittel, das man allen Patienten gleichermaßen geben kann. Aber wenn es vorher schon mal eine Therapieantwort gab, dann gibt es wieder einen Effekt."

Die Verträglichkeit des Immuntherapeutikums sei recht gut. Wenn Infekte aufträten, seien sie meist gut zu beherrschen. Selten komme es zu schweren infektiösen Ereignissen wie Aktivierung einer Tuberkulose oder Pneumonie. Rechtzeitig erkannt, könnten große Probleme vermieden werden. "Daher möchten wir solche Therapien in die Hände von Ärzten konzentrieren, die Erfahrungen mit Biologicals haben", so Schreiber.

STICHWORT

TNF alfa

TNF Alfa ist ein multifunktionaler Signalstoff des Immunsystems, welcher bei lokalen und systemischen Entzündungen beteiligt ist. TNF wird hauptsächlich von Makrophagen ausgeschüttet. Seine wichtigste Funktion ist, die Aktivität von Immunzellen zu regeln. TNF kann den Zelltod, Zellproliferation, Zelldifferenzierung und Ausschüttung anderer Zytokine anregen. (eb)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Morbus Crohn: In nur fünf Tagen per Diät zur Remission?

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Kommentare
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

© Oleh / stock.adobe.com

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Zielgerichtete Interleukin-23p19-Inhibition

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Lilly Deutschland GmbH, Bad Homburg v.d.H.
Abb. 2: ADA und nAb unter AVT05 und Referenz-Golimumab bis Woche 16

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Colitis ulcerosa

Das erste Golimumab-Biosimilar erweitert die Therapieoption bei entzündlichen Erkrankungen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
Abb. 2: Infusionsschema der REGENCY-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Neue Therapieoption bei Lupus-Nephritis verfügbar

Obinutuzumab verbessert Nierenoutcomes bei Lupus-Nephritis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Ein Mann im Krankenhaus beim Essen.

© fresnel6 / stock.adobe.com

Neue S3-Leitlinie

Ernährungs-Screening bei Menschen mit Krebs sollte Routine werden

Kooperation | In Kooperation mit: Deutscher Krebsgesellschaft und Stiftung Deutsche Krebshilfe