Tabletten erleichtern Therapie HIV-infizierter Kinder

BERLIN (awa). Den mit Ritonavir verstärkten Proteasehemmer Lopinavir gibt es schon länger als Suspension für die Therapie HIV-infizierter Kinder ab zwei Jahren. Jetzt hat die EU-Arzneimittelbehörde eine neue, niedrig dosierte Tablette Lopinavir/Ritonavir für die Behandlung von Kindern mit einer Infektion mit dem AidsErreger zugelassen.

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Die HIV-Infektion bei Kindern weist deutliche Unterschiede zu der von Erwachsenen auf - etwa überwiegend perinataler Infektionsweg, Unreife des Immunsystems bei der Infektion und besonders hohes Progressionsrisiko. Bei der Therapie der Kinder kommt noch hinzu: Von den 22 für Erwachsene zugelassenen HIV-Wirkstoffen sind nur zehn für Kinder unter drei Jahren zugelassen. Von den Arzeien gibt es kaum kindgerechte Formulierungen und Kombipräparate. Darauf hat die Kinderärztin Dr. Cornelia Feiterna-Sperling von der Charité Berlin bei den Münchner Aids-Tagen in Berlin hingewiesen.

Die Konsequenz: Bei mangelnden Therapiemöglichkeiten, vor allem bei bestimmten Resistenzsituationen, muss teilweise ein Off-Label-Use bei Säuglingen und Kleinkindern erfolgen. Für Kinder, die bereits Tabletten schlucken können, ist die neue Tablette aus Lopinavir und Ritonavir (Kaletra®) nach Angaben von Feiterna-Sperling eine deutliche Verbesserung. Denn die Suspension schmeckt bitter, muss gekühlt werden, und bei älteren Kindern führt die Dosisanpassung an das Körpergewicht zu einer größeren Menge, die jeden Tag eingenommen werden muss.

Die Tablette für Kinder muss wie die für Erwachsene nicht gekühlt werden und kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden. Sie ist nicht nur halb so groß, sondern enthält auch nur die Hälfte einer normalen Tablette, nämlich 100 Milligramm Lopinavir und 25 Milligramm Ritonavir.

Müssen die Erwachsenen zweimal täglich zwei Tabletten einnehmen, sind es bei den Kindern täglich eine Kindertablette bei 7 bis 10 Kilogramm Körpergewicht, zwei Tabletten bei 10 bis 25 Kilogramm und drei Tabletten bei 25 bis 35 Kilogramm. Sind die Kinder schwerer, erhalten sie die Erwachsenendosis. Feiterna-Sperling wies darauf hin, dass alle infizierten Säuglinge unter zwölf Monaten unabhängig von Virusmenge und CD4-Zellzahl antiretroviral behandelt werden sollten.

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