Noroviren?

Tausende Kinder an Brechdurchfall erkrankt

Verdacht auf Noroviren: 4000 Kinder und Jugendliche in vier Bundesländern liegen wegen Magen-Darm-Infekten flach. Vermutet wird, dass sie sich über das Schulessen infiziert haben. Auch Gift kommt als Auslöser in Frage.

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Ein Schild an der Eingangstür zum André Gymnasium in Chemnitz weist am 27.09.2012 darauf hin, dass die Schule am Freitag (28.09.2012) geschlossen bleibt.

Ein Schild an der Eingangstür zum André Gymnasium in Chemnitz weist am 27.09.2012 darauf hin, dass die Schule am Freitag (28.09.2012) geschlossen bleibt.

© Hendrik Schmidt / dpa

POTSDAM/BERLIN (dpa). Nach den Erkrankungen von etwa 4000 Kindern und Jugendlichen in vier Bundesländern wollen sich Bund und Länder am Freitag über konkrete Maßnahmen absprechen. Erwartet werden auch die Laborergebnisse.

Dies sagte die Sprecherin der Berliner Gesundheitsverwaltung, Regina Kneiding, der Nachrichtenagentur dpa.

In Berlin und Brandenburg sind über 2000 Kinder betroffen. Mehrere Schulen bleiben am Freitag vorsorglich geschlossen. Auch in Sachsen und Thüringen gibt es sehr viele Fälle.

Unklar ist der Auslöser der Magen-Darm-Infekte. Vermutet wird, dass es sich um Noroviren handelt, die über das Schulessen eines Kantinenlieferanten verbreitet wurden.

Noroviren oder Gift?

Als Ursachen käme auch ein Gift in Frage, sagte Marlen Suckau, Referatsleiterin für Infektionsschutz in der Gesundheitsverwaltung, am Freitag. "Ich gehe davon aus, dass es noch mehr Fälle geben wird", sagte sie.

"Wir sind fieberhaft dabei zu untersuchen, worum es sich handelt", sagte die Staatssekretärin für Gesundheit, Emine Demirbüken-Wegner (CDU). Sie betonte aber, dass es sich nicht um schwere Krankheiten handele. Erst in zwei Wochen rechnet die Verwaltung mit Ergebnissen.

Die betroffenen Schulen und Kindergärten wurden nach bisherigen Erkenntnissen vom selben Lieferanten versorgt. Er habe seinen Sitz in Rüsselsheim und betreibe Regionalküchen in vielen Ländern, sagte der Leiter des Referats Gesundheit und Verbraucherschutz im Brandenburger Gesundheitsministerium, Ulrich Widders, am 27. September in der "Abendschau" des Fernsehsenders rbb.

Drei Kranke mussten stationär aufgenommen werden, wie die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales am 27. September mit Verweis auf das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte.

Aus dem sächsischen Sozialministerium hieß es, es bestehe der Verdacht auf Noroviren. Die bisher bekannten Fälle verteilen sich auf Sachsen, Thüringen, Berlin und Brandenburg. Die Beschwerden begannen überwiegend ab Dienstagabend. Vereinzelt bleiben betroffene Schulen am Freitag geschlossen.

RKI geht von mindestens 4000 Infektionen aus

Nach Angaben des RKI handelt es sich um mindestens 4000 Fälle. Der Krankheitserreger ist noch nicht bekannt. Zur Vermutung, dass es sich um Noroviren handeln könnte, äußerte sich eine Sprecherin des RKI auf dpa-Anfrage nicht.

Behörden von Bund und Ländern ermitteln nun die Ursachen der Krankheit. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit koordiniert die Ermittlungen zur Herkunft des Essens.

Das RKI habe mit Befragungen begonnen, um den Infektionsherd eingrenzen zu können, erklärte eine Sprecherin. Das Institut tausche sich derzeit mit den Ländern aus, die sich primär um die Maßnahmen kümmerten. Involviert ist auch das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Informationen des RKI zum aktuellen Gastroenteritis-Ausbruch

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