„Gaming Disorder“

Test zu Computer-Spielsucht entwickelt

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ULM. Kürzlich hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekanntlich die Computerspielsucht („Gaming Disorder“) als psychische Erkrankung anerkannt.

Nun veröffentlichen Forscher um den Ulmer Psychologieprofessor Christian Montag den nach eigenen Angaben ersten psychologischen Test zur „Gaming Disorder (Int J Ment Health Addic 2019; online 3. Juni).

Der Online-Test ist bereits bei mehr als 550 Studierenden aus Großbritannien und China erprobt worden und soll die Grundlage einer der bislang größten wissenschaftlichen Untersuchung zur Computerspielsucht bilden, teilt Universität Ulm mit.

Der Online-Fragebogen orientiere sich an den Kriterien der WHO und erfasse Gaming-Aktivitäten der vergangenen zwölf Monate bis zum Tag der Erhebung auf einer Skala von eins bis fünf (1 steht für die Selbsteinschätzung „nie“ und 5 bedeutet „sehr oft“).

Ziel des psychometrischen Instruments ist weniger die Diagnose als die Erforschung von Auswirkungen des exzessiven Spielens. Studienteilnehmer erfahren lediglich, ob ihre Ergebnisse im Vergleich mit allen Probanden eine Tendenz zur „Gaming Disorder aufweisen.

Online-Befragung

Die Stichprobe zum Überprüfens des Tests umfasste 236 junge Chinesen, die an einer Universität in Beijing studierten, sowie 324 britische Studierende aus dem Großraum London und aus den East Midlands.

Das Durchschnittsalter betrug 23 Jahre. Ausschlusskriterium für die Teilnahme an der Online-Befragung war die Angabe, in den letzten zwölf Monaten kein Videospiel gespielt zu haben.

Nach Abschluss der Erhebung haben die Forschenden mit statistischen Verfahren die Validität und Reliabilität überprüft.

Zudem konnten sie erste Rückschlüsse auf das Gaming-Verhalten der untersuchten Studierenden ziehen. So unterschied sich das Vorkommen der Computerspielsucht nach WHO-Kriterien zwischen beiden nationalen Gruppen nicht signifikant, heißt es in der Mitteilung der Uni Ulm.

Im Mittel gaben die Studierenden an, 12 Stunden in der Woche zu spielen. Dabei verbringen sie fast die Hälfte dieser Zeit (46 Prozent) am Wochenende alleine vor dem Computer oder sonstigen mobilen Endgeräten.

Insgesamt 36 Teilnehmende (6,4 Prozent) berichteten von großen Problemen im Alltag aufgrund ihres Spielverhaltens und könnten somit die Diagnosekriterien der WHO erfüllen.

Große Untersuchung zur Computer-Spielsucht geplant

Nach diesem Testlauf ziehen die Forschenden eine positive Bilanz: „Der Gaming Disorder Test scheint geeignet, um die Häufigkeit und, in Kombination mit anderen Fragebögen, auch Effekte der Computerspielsucht in großen, kulturübergreifenden Gruppen nach den vorgeschlagenen WHO-Kriterien festzustellen“, wird Montag zitiert. Künftig müsse der neue Fragebogen noch an Patientenstichproben validiert werden.

Aktuell plant die Forschergruppe die bislang größte Untersuchung zur Computerspielsucht mit möglichst Tausenden von Teilnehmern: Für alle Interessierten steht der Gaming Disorder Test ab sofort in deutscher und englischer Sprache online zur Verfügung.

Weitere Probanden wollen die Forschenden unter anderem über die „Electronic Sports League“ (ESL) rekrutieren, dem nach eigenen Angaben weltweit größten Esports-Anbieter mit engen Verbindungen zur „Gaming Community“. (eb)

Über www.gaming-disorder.org erhalten Probanden eine Rückmeldung zu ihrem Videospielverhalten im Vergleich zu den übrigen Studienteilnehmern. Mit ihrer Teilnahme können sie auch eine der bisher größten Untersuchungen zur Computerspielsucht nach WHO-Definition unterstützen.

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