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Kommentar zu Schizophrenie

Therapie statt Stacheldraht!

Von Thomas Müller Veröffentlicht:

Jeder kennt das in Thrillern kultivierte Klischee vom Psychopathen, der vom Wahn getrieben unbescholtene Opfer heimsucht. Dieses Bild hat wohl ebenso zur Stigmatisierung psychisch Kranker beigetragen wie der bis in die Gegenwart anhaltende Versuch, straffälliges Verhalten zu psychiatrisieren. Tatsächlich begehen psychisch Kranke aber seltener Verbrechen als ihre seelisch gesunden Mitbürger.

Dennoch gibt es eine kleine Gruppe von Patienten, die sich und andere gefährden können, wenn sie in eine Psychose gelangen. Die beste Prävention ist hier eine gute psychiatrische Therapie. Aber genau diese, so klagen Psychiater, erhalten viele nicht mehr, weil sie wegen des steigenden Kostendrucks zu früh aus Kliniken entlassen werden. Mit dem an Fallpauschalen angelehnten neuen Entgeltsystem, so befürchten sie, wird alles noch viel schlimmer.

Die Gefahr, dass unzureichend behandelte Psychosepatienten dann vermehrt Straftaten begehen, ist durchaus real. Schon jetzt beobachten Forensiker eine zunehmende Zahl solcher Patienten in ihren Kliniken - parallel zum Rückgang der Therapiedauer in der Allgemeinpsychiatrie.

Ersetzt man jedoch die nötige Therapie durch Stacheldraht, dann ist dies nicht nur zutiefst unmenschlich, es wird auch die Stigmatisierung weiter befördern.

Lesen Sie dazu auch: Schizophrene Patienten: Maßregelvollzug statt Therapie

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