Vorbeugen ohne Tabletten

Tipps bei Kopfweh in Corona-Zeiten

Teils widersprüchliche Empfehlungen zu NSAR in Zeiten der Coronavirus-Pandemie haben Patienten mit chronischen Kopfschmerzen verunsichert. Zwei Experten geben Tipps, was Migränepatienten beachten sollten.

Von Dr. Elke Oberhofer Veröffentlicht: 20.04.2020, 12:17 Uhr
Migräne-Kopfschmerz: Was empfehlen Experten in Zeiten von Corona?

Migräne-Kopfschmerz: Was empfehlen Experten in Zeiten von Corona?

© MaximFesenko / Getty Images / iStock

München, Kiel. Kopfschmerzpatienten haben es dieser Tage nicht leicht. Zuerst wurden sie in sozialen Medien vor dem Einsatz von Ibuprofen und anderen NSAR gewarnt, dann hieß es, es handle sich um „Fake News“.

Inzwischen sind sich Experten zumindest in einem Punkt einig: Derzeit gibt es keine wissenschaftliche Evidenz für einen Zusammenhang von Ibuprofen und der Verschlechterung von Covid-19-Symptomen.

Dennoch: Viele Patienten mit chronischen Kopfschmerzen sind sich nach wie vor unsicher, ob und unter welchen Voraussetzungen sie die bekannten Schmerzmedikamente in der aktuellen Situation anwenden sollen.

„Therapie wie gewohnt“

Die Neurologin Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther, LMU München, gibt Patienten den klaren Rat: „Wenn Sie Ihre Kopfschmerzen kennen, können Sie diese mit den Schmerzmitteln behandeln, die Sie auch sonst einsetzen.“

Wichtig sei, diese nicht zu oft einzunehmen, denn dies könne die Schmerzen sogar verschlimmern, so Förderreuther in einer Mitteilung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). :Empfohlen wird die Einnahme an maximal neun Tagen pro Monat.

Die Expertin, die für den Neurologischen Konsiliardienst der LMU tätig ist, weist auch auf Telefonsprechstunden hin, die viele Praxen eingerichtet hätten und in denen der Arzt bei akuten Beschwerden beraten kann.

Wichtig: Kopfschmerzen vorbeugen!

Nicht nur in Zeiten von Corona ist jedoch eine Maßnahme für Migränepatienten besonders wichtig: die nicht medikamentöse Kopfschmerzprophylaxe. „Radfahren und Joggen wirken tatsächlich vorbeugend“, so Förderreuther. Diese Sportarten seien auch bei den aktuellen Ausgangsbeschränkungen möglich.

„Fast so wirksam wie ein Medikament“ zur Migräneprophylaxe seien zudem Entspannungsübungen, wobei die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson die derzeit am besten untersuchte Maßnahme darstelle.

Die zugrundeliegende Technik kann auch über das Internet – zum Beispiel nach Anleitung der Techniker Krankenkasse – oder mithilfe spezieller Apps erlernt werden.

Auf Regelmäßigkeit im Tagesablauf achten!

Auch Professor Hartmut Göbel, Kopfschmerzexperte an der Schmerzklinik Kiel, setzt auf die nicht medikamentöse Migräneprophylaxe, und zwar ganz unabhängig von der aktuellen Pandemie: Man wisse mittlerweile, dass Faktoren wie Verhalten, Erleben, soziale und physikalische Umgebungsvariablen bei Menschen mit entsprechender genetischer Veranlagung Migräneattacken triggern können, so Göbel im Gespräch mit „Springer Medizin“. Die Betroffenen sollten daher lernen, „alles zu Schnelle, zu Viele und zu Plötzliche“ zu kontrollieren.

Gerade bei Kindern und Jugendlichen sollte man auf „Regelmäßigkeit und Gleichtakt“ im Tagesablauf achten. Dazu zählten ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus, eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Pausen und eben auch Sport.

Medikamentöse Prophylaxe nur begrenzt wirksam

Die Wirksamkeit der medikamentösen Prophylaxe wird nach Göbel dagegen deutlich überschätzt. Studien hätten nachgewiesen, dass langfristig kein für diese Indikation zugelassenes Medikament wirksamer als Placebo sei.

Bei Erwachsenen zeige die medikamentöse Vorbeugung „eine limitierte Wirksamkeit von rund zwei bis drei Migränetagen pro Monat“, bei Kindern sei der Effekt offenbar noch geringer.

Schülern empfiehlt der Schmerzexperte das Präventionsprogramm „Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen“. Dieses beinhaltet Unterrichtsmaterialien, ein Lehrerbegleitheft sowie Material für die Eltern. Solange die Schulen bedingt durch COVID-19 geschlossen bleiben, kann man sich auch hier mit dem Online-Angebot behelfen.

Wann sind Kopfschmerzen ein Notfall?

  • Vernichtungskopfschmerz: Sofort in die Klinik sollen Patienten beim sogenannten Vernichtungskopfschmerz: Dieser ist gekennzeichnet durch plötzlich auftretende heftigste Kopfschmerzen, „als wäre etwas im Kopf explodiert“. Die Schmerzen erreichen innerhalb von Sekunden ein Maximum und flauen danach nicht ab. Ursache kann eine zerebrale Blutung sein.
  • Immer heftiger werdende Kopfschmerzen: Auch immer heftiger werdende Kopfschmerzen, die mit Fieber und Nackensteife einhergehen, müssen diagnostisch unbedingt abgeklärt werden. Hier kann eine Meningitis dahinterstecken.
  • Im Zweifel zum Arzt! Im Verlauf einer SARS-CoV-2-Infektion sind Kopfschmerzen ein eher untypisches Symptom. Hier stehen vielmehr Husten, Fieber und Gliederschmerzen im Vordergrund. Allerdings hatten bis zu 34 Prozent der Patienten in Wuhan, die an COVID-19 erkrankt waren, auch über Kopfschmerzen geklagt. Im Zweifel wird zur Rücksprache mit einem Arzt geraten.
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