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Tips für die Jodverordnung in Schwangerschaft und Stillzeit

In der Schwangerschaft wird eine Supplementation von täglich 200 µg Jodid empfohlen. Vor einer Verordnung ist allerdings zu prüfen, welche Medikamente die Schwangere sonst noch verwendet, um eine Überdosierung zu vermeiden. Denn viele Frauen nehmen Folsäurepräparate, von denen manche zusätzlich Jod enthalten.

Von Helga Brettschneider Veröffentlicht:

Wenn Frauen schwanger werden, steigt ihr Jodbedarf. Zum einen verlieren sie mehr Jod über die Nieren, zum anderen braucht auch der Nachwuchs einen Teil des plazentagängigen Spurenelements. Die Schilddrüsen der Feten ziehen ab der zehnten bis zwölften Schwangerschaftswoche Jod aus dem Blutkreislauf ab und beginnen mit der eigenen Hormonproduktion. Haben die Mütter Jodmangel, können ihre Kinder mit Kropf zur Welt kommen.

Der erhöhte Jodbedarf läßt sich mit 200 µg Jodid am Tag ausreichend kompensieren. Spätestens nach dem ersten Trimenon sollten die Frauen mit der Einnahme beginnen, empfiehlt Professor Otto Albrecht Müller vom Rotkreuz-Krankenhaus in München. Allerdings sollte vorher geprüft werden, welche Präparate die Schwangere noch einnimmt.

Üblich ist in der Schwangerschaft etwa die Einnahme von Folsäurepräparaten. Diese Mittel enthalten aber häufig außer Folsäure auch Jodid, teilweise in Dosierungen von 200 µg. Das würde sich mit der empfohlenen Extra-Jodpille auf 400 µg Jodid addieren - als Dauertherapie ist das zuviel.

Die Empfehlungen zur Jodidsubstitution gelten ausdrücklich auch für Frauen mit einer Autoimmun-Thyreoiditis vom Typ Hashimoto. Diese Patientinnen werden außerhalb von Schwangerschaften in der Regel ausschließlich mit L-Thyroxin behandelt. Denn es wird vermutet, daß Jodid den Autoimmunprozeß stimulieren könnte. "Das ist aber noch nicht gesichert", so der Endokrinologe beim MedCongress in Baden-Baden.

Doch auch bei Frauen mit Autoimmun-Thyreoiditis geht es bei der Jodidzufuhr in der Schwangerschaft um die Jodzufuhr für das Kind, betonte Müller. Und weil der Nachwuchs auch in der Stillphase auf die Jodversorgung durch die Mutter angewiesen ist, gilt das gleiche zusätzlich während der gesamten Stillzeit.

Die L-Thyroxinsubstitution der werdenden Mütter wird auch in der Schwangerschaft fortgeführt, muß aber regelmäßig kontrolliert werden. Denn typischerweise steigt der Hormonbedarf im Verlauf der Gravidität deutlich an. Eine Zunahme um etwa ein Drittel, zumindest im dritten Trimenon, ist normal: "Bei einer Dosis von anfangs 100 µg am Tag wird die Patientin im Verlauf der Schwangerschaft zumindest 125, wenn nicht sogar 150 µg brauchen", so Müller. Grund ist der kontinuierliche Anstieg des Thyroxin-bindenden Globulins im Serum. Dadurch nimmt die Konzentration der freien Hormone ab, die in den Zellen wirken.

Die Einstellung der Hormone sollte ab dem zweiten Trimenon in vier- bis achtwöchigen Abständen geprüft werden. Bestimmt wird das TSH. Bei grenzwertigem TSH, werden auch die Schilddrüsen-Hormonwerte kontrolliert.

Als Sonderform der Schilddrüsen-Überfunktion kann bei Frauen eine schwangerschaftsinduzierte Hyperthyreose entstehen. Nach Literaturangaben kommt sie bei etwa acht Prozent der Frauen vor. Sie tritt vor allem im ersten und zweiten Trimenon auf und verliert sich meist im Verlauf des zweiten Drittels, so der Endokrinologe.

Ihr Ursprung ist weder autoimmun noch durch Schilddrüsen-Autonomien bedingt. Ursache ist vielmehr der Anstieg des Beta-hCG-Spiegels (human chorionic gonadotropin). Beta-hCG enthält Untereinheiten des TSH, was zur Stimulation der Schilddrüse führen kann. Dementsprechend sind auch keine Antikörper vorhanden, und im Ultaschallbild sind meist keine Knoten zu sehen.

Die Frauen haben oft eine nur grenzwertige Überfunktion mit supprimiertem TSH und normalen freien Werten. Eine Behandlung ist dann nicht erforderlich. Eine Überprüfung lohnt sich vor allem bei Patientinnen mit übermäßigem Schwangerschaftserbrechen: Sie haben häufiger eine Überfunktion.



FAZIT

Schwangeren und stillenden Frauen wird eine Supplementation von täglich 200 µg Jod empfohlen. Eine zusätzliche Einnahme über Kombinationspräparate, etwa mit Folsäure, ist bei einer Verordnung anzurechnen. Bei Hashimoto-Thyreoiditis steigt zudem der Thyroxinbedarf um etwa ein Drittel. Die Substitutionsdosis muß deshalb regelmäßig angepaßt werden. Etwa acht Prozent der Frauen bekommen durch den Anstieg des Beta-hCG-Spiegels eine schwangerschaftsinduzierte Hyperthyreose. Im Grenzbereich ist eine Behandlung meist nicht erforderlich. (hbr)

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