Ultraschall zerfetzt Gerinnsel

Ultraschall spürt nicht nur Stenosen in der Hauptschlagader auf, sondern verhindert auch Thromben bei der chirurgischen Behandlung. Das zeigt eine Studie.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Mit Carotis-Sonografie lassen sich Stenosen abklären. Möglicherweise eignet sie sich auch zur Therapie.

Mit Carotis-Sonografie lassen sich Stenosen abklären. Möglicherweise eignet sie sich auch zur Therapie.

© Mathias Ernert, Medizinisches Klinikum, Krehl Klinik, Heidelberg

PRAG. Offenbar lässt sich der Therapieerfolg bei einer symptomatischen Karotisstenose verbessern, wenn der Engpass während der Angioplastie oder der Endarteriektomie beschallt wird: Es kommt anschließend seltener zu asymptomatischen Hirninfarkten.

Ein großes Problem bei der chirurgischen Endarteriektomie (CEA) und der stentgeschützten Angioplastie (CAS) der Carotis interna sind perioperative Komplikationen.

So lassen sich bei etwa 54 Prozent der Patienten nach CAS und 30 Prozent nach Endarteriektomie unmittelbar nach dem Eingriff klinisch unauffällige Hirninfarkte nachweisen, die zu kognitiven Defiziten führen können.

Bei zwei bis drei Prozent der Patienten folgt auf den Eingriff auch ein klinisch manifester Schlaganfall, berichtete Dr. Martin Kuliha von der Universitätsklinik in Ostrava in Tschechien.

Studie mit 86 Teilnehmern

Auf dem Kongress der European Neurological Society ENS in Prag präsentierte Kuliha eine Studie, in der sich mithilfe einer Ultraschallbehandlung während des Eingriffs das Infarktrisiko senken ließ.

An der Studie hatten 86 Patienten teilgenommen, bei denen die Carotis interna eine 70-prozentige Stenose zeigte und bei denen eine Indikation für eine Endarteriektomie oder Angioplastie vorlag.

Die Patienten wurden in vier Gruppen eingeteilt: In eine Endarteriektomie-Gruppe mit 2-MHz-Beschallung und eine ohne Ultraschall sowie in eine Angioplastie-Gruppe mit und eine ohne Ultraschall.

24 Stunden nach der Behandlung suchten die Ärzte per MRT nach neuen Infarktläsionen. Das Ergebnis: In den beiden Ultraschallgruppen zeigten sich zusammengenommen bei 29 Prozent der Patienten neue Infarkte (bei 18 Prozent mit Endarteriektomie, bei 42 Prozent mit Angioplastie).

In den beiden Gruppen ohne Ultraschall war der Anteil mit 36 Prozent etwas höher (21 Prozent mit Endarteriektomie, 46 Prozent mit Angioplastie). Allerdings waren die Unterschiede statistisch nicht signifikant, dafür waren die Gruppen zu klein.

Signifikante Unterschiede bei größeren Infarkten

Wurden jedoch nur größere Infarkte betrachtet (über einem Volumen von 0,5 cm3), dann erreichte der Unterschied mit 10 Prozent (Ultraschall) versus 24 Prozent (ohne Ultraschall) eine klare statistische Signifikanz.

Bei der Zahl der klinisch manifesten Schlaganfälle in den ersten 30 Tagen nach dem Eingriff gab es jedoch kaum Unterschiede (2,4 versus 2,2 Prozent), ebenso wenig bei kognitiven Tests.

Für Kuliha liefern die Ergebnisse ausreichend Anlass, eine größere Studie zur Sonolyse zu beginnen, daran sollen 240 Patienten teilnehmen.

Der Neurologe nimmt an, dass hochfrequente Schallwellen in der Lage sind, Thromben, die sich während der Endarteriektomie oder Angioplastie bilden, mechanisch zu zerlegen.

Zusätzlich könnten durch eine Erwärmung des Endothels bei der Beschallung körpereigene fibrinolytische Mechanismen aktiviert werden.

Quelle: www.springermedizin.de

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