Kommentar zu Lungenscreenings

Unnötige Embolie-Suche

Synkopen gehen nur selten auf eine Lungenembolie zurück. Ein generelles Emboliescreening nach einem Kollaps scheint unnötig.

Von Robert Bublak Veröffentlicht: 18.09.2019, 05:21 Uhr

Vor drei Jahren war in einer italienischen Studie bei jedem sechsten Patienten mit Synkope eine Lungenembolie nachweisbar. Zwar hätten nicht alle Befunde mit der Synkope in ursächlichem Zusammenhang gestanden, so die Autoren. Doch in mindestens der Hälfte der Fälle sei die Embolie ausgedehnt genug gewesen, um einen Bewusstseinsverlust zu induzieren.

Eine solch hohe Rate von Lungenembolien als potenzielle Trigger von Synkopen ist erschreckend. Sollte man Patienten mit einer ersten Synkope daher nicht entsprechend screenen? Dem widersprechen nun Forscher aus der Schweiz. Lungenembolien fanden sich in der von ihnen vorgelegten Studie bei 1,4 Prozent der Patienten, und nur bei 0,8 Prozent kam die Embolie als Ursache für die Synkope infrage.

Die Italiener hatten ausnahmslos alle Patienten auf das Vorliegen einer Lungenembolie untersucht – unabhängig davon, ob es alternative Erklärungen für die Ohnmacht gab. Die Schweizer hingegen testeten nur, wenn sie gute Gründe dafür hatten: wenn zusätzliche Symptome wie Dyspnoe oder Rechtsschenkelblock die Wahrscheinlichkeit für eine Lungenembolie erhöhten.

Die hohe Embolierate der Italiener könnte daher vor allem auf einen eher schlechten Grund zurückgehen: auf Überdiagnostik.

Lesen Sie dazu auch: Notfallmedizin: Lungenembolie keine häufige Ursache von Synkopen

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