Urin-Diagnostik bei dickem Knie

WIESBADEN (gvg). Einseitige Arthritiden entstehen oft reaktiv als Folge bakterieller Infektionen. Ein Blick in den Urin hilft in diesen Fällen zwar nicht dem Gelenk, aber mitunter den Patienten.

Veröffentlicht:
Den Urin zu untersuchen lohnt sich: .

Den Urin zu untersuchen lohnt sich: .

© Rob Byron / fotolia.com

Reaktive Arthritiden werden in unseren Breiten vor allem durch Salmonellen, Yersinien und Chlamydia trachomatis verursacht. Da die Arthritis oft Wochen bis Monate nach der Infektion auftritt, macht eine Erregerdiagnostik in der Regel keinen Sinn.

Doch es gibt zwei Ausnahmen: "Bei einer postenteritischen Arthritis sollte dann und nur dann eine Erregerdiagnostik im Stuhl erfolgen, wenn die Diarrhoe fortbesteht", sagte Professor Lars Köhler von der Rheumatologischen Gemeinschaftspraxis Hannover beim Internistenkongress in Wiesbaden.

Die zweite Ausnahme ist die Urindiagnostik auf Chlamydia trachomatis, die immer dann erfolgen sollte, wenn auch nur die leiseste Möglichkeit einer Urethritis als auslösender Infektion besteht.

Bei Chlamydien im Urien: Patient und Partner behandeln

Der Grund ist, dass die sexuell übertragbare Chlamydien-Urethritis zur Persistenz neigt und unangenehme Folgen wie etwa Infertilität haben kann.

Werden Chlamydien im Urin gefunden, sollten Patient und jeweiliger Partner behandelt werden, entweder mit Azithromycin 1000 mg einmalig oder zehn Tage lang mit zweimal 100 mg Doxycyclin täglich.

Damit ist die Sache dann auch erledigt. Das geschwollene Gelenk freilich lässt sich dadurch nicht beeindrucken.

Es braucht seine Zeit und heilt oft von selbst. Auch monatelange Antibiotikatherapien haben in den meisten Studien bei reaktiver Arthritis bisher nicht überzeugt.

Mehr zum Thema

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Sie fragen – Experten antworten

Mutter mit MS: Kind gegen MMR impfen?

Das könnte Sie auch interessieren
DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

© Matt LaVigne | iStock

Neue in-vitro-Daten

DMykG 2025: So dringt Bifonazol effektiv in die Nagelplatte ein

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

© Irina Esau | Getty Images/iStockphoto

Fokus: Integrität der Haut

Bifonazol: Antimykotikum mit antientzündlicher Wirkung

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

© Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Tietz

Pilzinfektion Kopfhaut

Die Bedeutung von Bifonazol in der Therapie der Tinea capitis

Anzeige | Bayer Vital GmbH
Für Menschen ab 60 Jahren sind die Impfungen gegen Influenza, Corona, Pneumokokken und Herpes zoster (beide nicht im Bild) Standard-Impfungen. Für Menschen ab 75 Jahren kommt die RSV-Impfung hinzu.

© angellodeco / stock.adobe.com

Respiratorisches Synzytial Virus

STIKO: Alle Menschen ab 75 gegen RSV impfen!

Blickdiagnose: klinisches Bild mit typischen Effloreszenzen bei Herpes zoster.

© Mumemories / Getty Images / iStock

Zoster-Impfung

Schutz vor Herpes zoster und Rezidiven

Kommentare
Dr. Bernhard Rosenkranz 16.04.201222:18 Uhr

reaktive Arthritis

Es sind nicht nur die Chlamydien im Urogenitaltrakt. Ich darf aus eigener Erfahrung darauf hinweisen, dass okkulte Prostata-infektionen mit Ureaplasmen reaktive Mono-Arthritiden auslösen können. Der Nachweis gelingt dann nur durch einen Urethralabstrich morgens vor dem ersten Wasserlassen und nach 14 Tagen Antibiose ist der Spuk vorbei.

Dr. Christian Schulze 16.04.201207:15 Uhr

Borrelien PCR als Goldstandard

Die Punktion des Knies und die zeitnahe Borrelien-PCR sichert den direkten Nachweis von Borrelien-DNA und ist sicher der zielführendste Ansatz, wenn es eine Borreliose ist! Erregernachweis am Ort des Geschehens!

Dr. Thomas Georg Schätzler 15.04.201219:02 Uhr

Einseitige, reaktive Arthritiden?

Bedaure, aber das mit der "Urinprobe bei dickem Knie" neben anderen Untersuchungen ist mir zu populistisch und nicht zielführend genug. Einseitige (atypische) Arthritiden reaktiv als Folge bakterieller Infektionen sind leider nicht nur Chlamydien, Salmonellen oder Yersinien bedingt als Ausdruck postenteritischer und/oder periurethritischer Arthritis.

Klinisch bedeutsame Campylobacter jejuni, C. coli und C. fetus Infektionen, letztere bei sehr jungen und sehr alten Patienten, sind ebenso zu beachten, wie die Arthritis bei Zustand nach Zecken(Ixodes rhicinus)-bedingten Borrelien-Infektionen. Ich stimme zu, dass der direkte Erregernachweis (CYSE) im Stuhl häufig frustran und nur bei persistierender Diarrhoe erfolgversprechend ist. Aber ein spezifischer und differenzierter IGM-IGG-IGA-Antikörper Nachweis i. S. bringt möglicherweise auch spät nach abgelaufener Enteritis die richtige Spur.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Potenzielle Schäden durch eine Influenza-Infektion an verschiedenen Organsystemen

© Springer Medizin Verlag

Impfen und Herzgesundheit

Mehr als nur Grippeschutz: Warum die Influenza-Impfung bei Menschen mit kardiovaskulären Erkrankungen so wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Frankfurt a. M.
Abb. 1: Mittlere Veränderung des DAS28-CRP bis Woche 52 gegenüber Ausgangswert (primärer Wirksamkeitsendpunkt)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Anti-TNF-Therapie

Erstes Golimumab-Biosimilar erweitert Therapiespielräume bei RA, PsA, axSpA und pJIA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Advanz Pharma GmbH, München
PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

© samunella / stock.adobe.com

Metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom

PARPi plus ARPi: Nur bei BRCA-Mutation oder auch für Patienten ohne Mutation?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pfizer Pharma GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Off-Label-Use möglich

Long-COVID-Therapie: So schätzt Hausarzt Maibaum den G-BA-Beschluss ein

Beratung in der Arztpraxis

Sicher mit Kindern verreisen: So geht‘s

Lesetipps
Ei Spiegelei in einer Pfanne

© Kevsan / stock.adobe.com

Gastbeitrag

Sind Eier wirklich so gefährlich für Herz und Gefäße?